Mein Mauerweglauf 2025 – stressfrei und schön

Im letzten Jahr war der Mauerweglauf mein Hauptwettkampf und das ganze Jahr darauf ausgelegt, unter 24 h zu finishen und mir einen Buckle zu verdienen. Das hat letztlich auch geklappt, aber mit enormem Aufwand. So lautete mein Fazit, dass ich mir diesen Stress (vorerst) nicht noch einmal antun wolle. Das bedeutet nicht, die 100 Meilen vom Speiseplan zu streichen, sondern eher beim nächsten Mal keinen erhöhten Anspruch an die Zeit zu stellen und mehr entspannt zu laufen. Dieser Punkt gelang.

2025 enthält einige Zweien und Fünfen und diese Ziffern spielten auch eine wichtige Rolle bei meinen Jahreszielen:

– Es sollte erstmals über 2xx km gehen. Dafür gab es zwei Chancen: Junut und Heidi.
Beim JUNUT hatte ich mich wie in den letzten beiden Jahren für die 170er Strecke angemeldet, bei der als letztmalig angekündigten Ausgabe aber insgeheim mit einem dort nach 170 km möglichen Upgrade auf die ganze Runde von 240 km geliebäugelt. Letztlich führten muskuläre Probleme am letzten Wochenende vor dem Lauf dazu, dass nicht klar war, ob ich überhaupt starten und mehr als einige Stunden würde laufen können. (Ziehen in der linken Wade; der Arzt hat drauf geschaut und abgetastet, konnte aber auch per Ultraschall nix finden. Beim Gehen merke ich es aber noch deutlich.) Es lief zwar sehr gut, doch sicherheitshalber beschloss ich bereits in Schmidtmühlen nach 138 km, dass es keinesfalls weiter als bis zum 170er Ziel in Kastl gehen soll. Das habe ich recht gut hinbekommen (33 h waren rund 3 h weniger als 2023).
Die zweite Chance und mein eigentliches Jahreszeil war die Heidi, genauer gesagt die Heidi 222 durch die Lüneburger Heide auf dem Heidschnuckenweg von Celle nach Hamburg zu Pfingsten. Es war ein hartes Stück Arbeit, doch ein lohnendes, denn nach 40 sehr regenreichen Stunden habe ich es geschafft!
– Die zweite Heidi war der von Thomas Steinicke organisierte Etappenlauf Heidi-Challenge. Nach der sommerlich heißen Frühjahrsedition 2024 war die 2.Ausgabe über 5 Tage die sommerlich heiße Sommeredition. Nun sind alle gespannt auf einen heißen Herbst 2026!

Nun aber zum Mauerweglauf! Wie letztes Jahr habe ich am Freitag bei den Vorbereitungen am Stadion mitgeholfen. Da das Eisstadion noch immer nicht genutzt werden konnte, ging es 2025 wieder in den traditionellen Jahn-Sportpark im Prenzlauer Berg. Das ist nicht so eng und „kuschelig“ wie letztes Jahr, aber die Abläufe waren klarer und so war der Aufbau früher erledigt. Leider waren die S-Bahn-Haltstellen Schönhauser Allee und südlich davon wegen Bauarbeiten nicht verfügbar und es musste Ersatzverkehr genutzt werden. Gerade in diesem Jahr übernachtete ich aber am Treptower Park (also südlich), was die eigentlich sehr kurze morgendliche Anreise deutlich verlängerte. Naja, so gab es eben mehr Zeit zum Essen und Umziehen unterwegs zum Stadion!

Beim Start hielt ich mich mich bewusst zurück und schaute im hinteren Bereich nach bekannten Gesichtern. David, der seine Mauerwegspremiere unter 24 h finishen wollte, liess ich gleich ziehen, denn dieses Tempo sollte ja mein Massstab nicht sein. Zum Glück traf ich Maksim, mit dem ich bereits Pfingsten über 100 km durch die Lüneburger Heide unterwegs war. Er wollte auch hier wieder sein Run+Walk-Programm durchziehen. So liefen wir stets einige Kilometer und marschierten dann einige Zeit – den genauen Rhythmus habe ich vergessen, aber es ist eher die Idee, die entscheidet, das Tempo und die Relation müssen individuell angepasst werden. Mir passte es hervorragend, auch wenn wir durch die Gehpausen sehr weit hinten im Feld lagen. So kamen wir in bester Unterhaltung durch die Innenstadt, entlang der East Side Gallery und durch Treptow/Kreuzberg bis an den endlos langen Bereich zwischen Autobahn und Teltowkanal. Maksim hatte ein paar Probleme und wollte erst einmal nur noch gehen. Darauf verabschiedeten wir uns voneinander und ich trabte langsam weiter. Maksim finishte übrigens dann noch in hervorragenden 25.5 h.

Nunmehr war ich etwas schneller als die Läufer in meiner Nähe und fand mich quasi auf der Überholspur wieder. Das machte ebenfalls viel Spass, denn ich traf so einige Bekannte und lernte noch mehr interessante Läufer kennen. So auch David, was mich zu diesem Zeitpunkt etwas besorgte, denn er wollte doch unter 24 h bleiben und ich sah das für mein aktuelles Tempo nicht als realistisch an. Später traf ich unter anderem die Vielläufer Thomas und Ilka bei ihrer entspannten Runde, die mir vom FDZU und der Heidi222 bekannte Xuehe, die am Ende ebenfalls locker finishte.

Nach einigen VPs bemerkte ich ein unangenehmes Hungergefühl: Zu wenig gegessen, immer nur ein paar kleine Happen, das reicht meinem verwöhnten Magen nicht! Bei Ninas Eltern (48 km) mampfte ich mich erst einmal kräftig durch das hier traditionell unglaublich reichhaltige Buffett, bis der Bauch so voll war, dass mir das weitere Laufen fast noch schwerer fiel als dem pflastersteinbeschwerten Wolf bei Rotkäppchen… Nach ein paar Kilometern war aber alles wieder gut. Puh!

Heute wartete in Teltow (61 km) noch keine Fahrradbegleitung auf mich. Franz hatte sich dafür angeboten, musste aber erst einmal wie eigentlich jeden Samstagmorgen mit seiner Laufgruppe arbeiten und würde deshalb erst später dazustoßen. Einen Dropbag hatte ich auch nicht hinterlegt und keine längere Pause geplant, denn noch war ja erst ein gutes Drittel der Strecke bewältigt. Die Königsallee zog sich dahin wie immer, bot aber auch guten Schatten gegen die Sonne und etwas Kühlung. Eigentlich habe ich keine unangenehmen Erinnerungen an die gesamten Abschnitte nach Potsdam und um den Jungfernsee bis nach Sacrow. Im Gegenteil, immer wieder fand sich nette Begleitung, oft auch bereits bekannte. Durch die abwechslungsreichen Gespräche merkte ich teilweise gar nicht, wo wir bereits waren und welche Bereiche wir schon hinter uns gelassen hatten. Irgendwann waren wir bei der Revierförsterei Krampnitz (86 km) angekommen und ich war überrascht, weil ich dachte, da fehlte noch der kurze steile Anstieg ein paar km davor. In Sacrow (92 km) lieferte ein Dropbag die Nachtausrüstung, im wesentlichen bestehend aus Warnweste, Stirnlampe, Windjacke.

Kurz hinter Sacrow sah ich einen Läufer an einer Bushaltestelle einen der Papierkörbe fotografieren. Okay, dachte ich, manchmal haben die Marketingleute der Berliner Stadtreinigung mehr oder weniger lustige Sprüche aufgeklebt wie „Eine von unseren 34267 Filialen“. Doch nichts davon war zu sehen, scheinbar nur ein ganz normaler oranger Behälter. Meine Neugier wurde gestillt: Es handelte sich um einen finnischen Läufer (Esa Nurkka), der berichtete, vor dem Abflug nach Deutschland noch eine Dose „Blue berry soup“ eingekauft und hier im Dropbag für den WP Sacrow deponiert zu haben. Diese hatte er gerade getrunken und wollte die leere Dose in den nächsten Abfallbehälter tun. Dabei bemerkte er eine weitere leere Dose exakt der selben, eigentlich recht lokalen finnischen Marke, die bereits in genau diesem Behälter lag! Mehr Slapstick geht kaum und er muss sich vorgekommen sein wie bei „Verstehen Sie Spaß?“. Die einzige halbwegs logische Erklärung wäre ein anderer Finne, der zufällig die gleiche Marke gekauft und ebenfalls in den Dropbag gepackt sowie während der ersten Kilometer nach dem WP geleert hätte. Er meinte dazu allerdings, dass er zuvor geschaut hätte und weniger als eine Handvoll Finnen überhaupt beim Mauerweglauf in der Startliste standen! Ich konnte dank Franz immerhin noch besteuern, dass auch Sari dabei sei und an der 100km-Wanderung teilnehmen würde, die morgens in Teltow gestartet war und damit schon in Sacrow durch war. Natürlich kannte er ebenfalls Sari!
Um es vorweg zu nehmen, die merkwürdige Geschichte ging noch etwas weiter. Im Ziel hörte ich irgendwann den Stadionsprecher feststellen, dass jetzt zwei Finnen direkt nacheinander gefinisht hätten. Später traf ich Esa noch einmal kurz und er berichtete mir, dass er zwar einer der beiden Finisher war, den anderen allerdings erst im Ziel, aber nicht auf der Strecke getroffen hätte. Sie hatten wohl zunächst einen großen Abstand, der sich bis zum Ziel auf wenige Minuten reduzierte, doch sie waren kein Stück des Wegs zusammen gelaufen! Nun blieb noch die Blaubeerfrage, und tatsächlich war der andere Läufer auch der Besitzer des fraglichen Leerguts. Manchmal stimmt es wohl tatsächlich, dass das Leben sehr merkwürdige Geschichten schreibt…

Wenige Kilometer nach Sacrow und seiner berühmten Bushaltestelle wartete Franz auf mich, als wir von der Straße Richtung Altglienicker See abbogen. Franz‘ Fahrradbegleitung war ein großer Gewinn, nicht nur weil ich ein paar Sachen wie Jacke und Trinkflasche in seinem Fahrradkorb lagern konnte, sondern vor allem als erfahrene Unterstützung und gute Unterhaltung. Bei Pagels und Friends (100 km) hab ich nicht lange pausiert, obwohl es wie immer sehr einladend war, dort eine längere Rast zu halten. Es ist wie „Nach-Hause-Kommen“, einfach eine unglaublich tolle Stimmung dort. Dank der neuen Unterstützung von Franz war auch die nachfolgende, herausfordernd lange Passage an der Bundesstraße halb so schlimm wie befürchtet. Dann folgte der VP an der Kleingartenanlage vor dem Hahnenberg in Spandau (105 km), an dem letztes Jahr mein Bruder seine Radbegleitung startete, sowie das längere Stück durch die Stadt. Hier stieß Jan zu uns, der uns laufend begleiten wollte. Das war Neuland für mich, denn bisher kannte ich nur eine Fahrradbegleitung und war einigermaßen daran gewöhnt, dem Radfahrer mein eigenes Tempo zu diktieren bzw. mich nicht von ein paar schnelleren oder langsameren Metern beeinflussen zu lassen. Die Begleitung durch einen noch frischen Läufer nach bereits hundert zurückgelegten Kilometern stellte sich als deutlich schwieriger heraus als zuvor erwartet. Natürlich habe ich sehr davon profitiert und wir hatten eine wunderbare Zeit. Ein wenig Lehrgeld zollte ich anfangs aber doch, bis wir alle uns aneinander und an die ständige leichte Variation unserer Abstände gewöhnt hatten. Man kennt das von gemeinsamen (Trainings-)Läufen, wenn einer stets ein paar Zentimeter weiter vor oder hinter den anderen läuft. Man darf nicht genauso sein, sonst gerät es leicht zum Wettbewerb um das schnellste (oder langsamste) Tempo und das eigentliche Laufziel gerät aus dem Fokus.

Mit Jan und Franz fühlte ich mich eigentlich wunderbar und rundum betreut, doch hinter Spandau bekam ich doch einige Probleme mit der Strecke selbst. Wegen eines Frühjahrssturms 2025 konnte der Spandauer (Nordwestberliner) Forst bereits beim Mondscheinmarathon von Franz und bei der letzten Etappe des Heidi-Etappenlaufs nicht genutzt werden und auch beim Mauerwegslauf waren einige Wege noch immer gesperrt, so dass es rund um den Eiskeller eine größere Umleitung gab. Die führte nicht nur durch mir unbekanntes Terrain, sondern auch entlang einer längeren Bahnstrecke und an einer Landstraße zum VP Schönwalde (120 km). Hier war eine unangenehme Pendelstrecke mit schmalem Fußweg bei doch recht starkem Straßenverkehr. Gerade bei Begegnungen mit entgegen kommenden Läufer(gruppe)n oder Ästen auf dem Weg wäre eigentlich ein Ausweichen auf die Straße indiziert gewesen, doch mit der Begleitung und bei der mittlerweile müdigkeitsbedingt verringerten Aufmerksamkeit sowie dem Verkehr war das keine sonderlich gute Wahl. Ich war sehr froh, als dieser Abschnitt endlich geschafft war und wir irgendwann den Grenzturm Nieder Neuendorf erreicht hatten (125 km). Der nachfolgende Bereich nach Hennigsdorf mit seinem Waggonbauwerk ist mir dank Mauerweg und Heidi mittlerweile sehr wohl bekannt, auch wenn er sich zu diesem Zeitpunkt des Laufs etwas kaugummiartig dahin zog. Beim Ruderclub Oberhavel (130 km) machte ich dann die erste und einzige längere Pause, aß und trank, übernahm mein nächstes Dropbag mit ein paar zusätzlichen Riegeln und wärmenden Sachen – und ruhte mich einige Minuten aus. Wie lang das wirklich war, kann ich nicht mehr sagen, aber nach dem bisher langsamsten Abschnitt zwischen Schönwalde und Nieder Neuendorf mit 9:30 min/km war der Teil nach Hennigsdorf mit offiziell etwas über 10 min/km noch langsamer und das hat wohl eher mit der Pause als mit dem Lauftempo selbst zu tun. Für den Rest des Laufs lagen die aktuellen Geschwindkeiten dannn wieder um die 9 min/km (inkl. Pausen). Das wiederum hatte auch mit einer langsam veränderten Zielstellung zu tun. Nachdem doch recht gemächlichen Start und einem relativ entspannten Mittelteil hatte sich bereits seit dem Beginn von Franz‘ Begleitung am Horizont ein mögliches Finish unter 24 h abgezeichnet. Zunächst konnten wir das sehr gut ignorieren, denn das war ja einerseits kein irgendwie geplantes Ziel und andererseits noch so weit, dass nachlassende Kräfte schnell mal eine halbe Stunde kosten könnten. Doch als im Berliner Norden die letzten 30 km und dann Halbmararathon erreicht waren, wurde es akut: Wollen wir weiterhin entspannt und ohne uns auf mögliche Endzeiten auszurichten laufen und pausieren, dabei „riskierend“, dass es im Ziel vielleicht knapp über 24 Stunden sein werden? Oder wollen wir über die wenigen verbleibenden Stunden hinweg ständig darauf achten, dass kontinuierlich weiter gelaufen wird und Gehabschnitte und VP-Pausen nicht zu lang werden, dabei Stress, tiefere Erschöpfung und vielleicht Frust über ein Ende der Kräfte riskierend?

So lange ich mich noch gut fühlte, versuchte ich zu traben, wann immer es ging. Die wenigen kurzen Anstiege und die VPs wurden für Gehpausen genutzt, die sich glücklicherweise ganz gut begrenzen liessen. Eigentlich brauchte ich an den VPs nicht wirklich anzuhalten, denn Franz und Jan versorgten mich perfekt, stets war noch eine Banane und etwas Getränk im Korb verfügbar. Überraschend für mich war eher die lichttechnische Versorgung, hatte Jans Lampe doch erheblich mehr Lichtstärke als meine in der Standardeinstellung. Obwohl ich bisher immer der Meinung war, dass gerade auf dem Mauerweg sehr wenig eigene Beleuchtung notwendig ist, stellte sich heraus, dass eine gute Streckenausleuchtung durchaus positive Auswirkungen auf Stimmung und Laufvermögen haben kann. Spätestens als ich in Lübars auf dem asphaltierten Weg an einer der vielen, durch Baumwurzeln verursachten, Bodenwellen so stark ins Straucheln kam, dass ich mich mit Mühe nach über zehn Metern wieder halbwegs auffing und verschreckt so langsam wieder in eine normale Laufbewegung kam, war ich über etwas mehr Beleuchtung recht froh (~147 km). Andere hatten es deutlich schwerer. Alina, mit der wir dort zusammen liefen, fiel ihre Lampe aus. Sie hatte wohl die Lebensdauer der Batterie überschätzt und fürchtete nun weniger die restliche Dunkelheit selbst als vielmehr eine offizielle Kontrolle, da ja Eigenbeleuchtung vorgeschrieben ist. Zum Glück konnte Jan hier als „Ritter in leuchtender Gestalt“ einspringen und sie begleiten. David blieb ebenfalls an so einer Bodenwelle hängen und stürzte. Er lief mit blutigem Knie ins Ziel, war aber wahrscheinlich zu diesem Zeitpunkt schon längst im Tunnel der Läuferfokussierung, denn seit dem letzten Wechselpunkt in Hennigsdorf wurde er von seiner Frau auf dem Fahrrad begleitet und lief schneller und immer schneller. Den letzten Halbmarathon absolvierte er sogar in 7er Zeiten (7:xx min/km). Er hatte sich seine Kräfte offensichtlich mal wieder hervorragend eingeteilt und war nun supermotiviert, ob dank Frau oder dank Aussicht auf das Finish unter 24 h? Schwer zu sagen, am Ende „fehlte“ nur ein kurzes Stück, ein zusätzlicher VP vielleicht, und wir hätten zusammen finishen können, zumindest wenn ich nicht hätte in seinem Tempo laufen müssen, denn das ging bei mir nicht mehr. Ich war auch so zufrieden, denn letztlich hatte sich die Mühe am Ende gelohnt und der Buckle war uns beiden sicher.

Mittlere Geschwindigkeit über gesamten Lauf und aktuelles Tempo zwischen den jeweiligen VPs (ohne Abzug der Pausen) beim Mauerweglauf 2025 für David und mich.

Im Ziel wurden wir unter anderem von Sascha von der LG Mauerweg begrüßt. Er war bereits in Volonteersdiensten und sah schon wieder so erholt aus, als wäre er an diesem Tag gar nicht gelaufen. Das stimmte natürlich auch, denn sein Zieleinlauf als Achter war am Samstagabend gegen zehn, mit einer Zeit unter 16 h. Der Sieger, Pascal Rüeger, lief sogar noch fast dreieinhalb Stunden schneller und stellte in 12:37:14 h einen neuen Streckenrekord auf, und das mit Ansage! Vor dem Lauf hatte er sich bei den Organisatoren bereits zu den VP-Öffnungszeiten erkundigt – verbunden mit der Frage, was passieren würde, wenn er schneller wäre. Wenn ich es korrekt verstanden habe, gibt es solche Nachfragen wohl schon so ab und zu, doch das jemand das dann auch läuferisch umsetzet, passiert halt eher nicht.

Die Mehrheit der Finisher schaffte die 100 Meilen unter 24 h.

Nach dem Zieleinlauf ging es mir recht gut. Das Finisher-Shirt gab es direkt nach dem Einlauf, Dropbags und Suppe noch auf der Bahn, die Umkleiden mit Duschen waren hervorragend. Als ich mich noch einmal auf die Bänke am Ziel setzte und etwas aß und trank, hörte ich noch jemand von den schnellen Hirschen mit Sascha reden, wobei das Wort Rostock vorkam. Es stellte sich heraus, dass derjenige nicht nur aus Rostock kam und auch dort Anfang August den Abendmarathon gelaufen war, bei dem auch Sascha dabei war (und als Gesamtvierter finishte), sondern dass es genau der Louis war, mit dem ich dort auf den letzten Kilometern zusammen gelaufen war. Small world! Kurz danach traf ich dann übrigens die beiden Finnen wieder…

Was könnte als Fazit bleiben?
Auf jeden Fall macht es mir unglaublich viel Spaß, entspannt zu laufen, ohne auf mögliche Endzeiten zu achten. Insbesondere aufgrund des sehr moderaten Anfangstempos war es der bisher gleichmäßigste der drei Hundertmeiler in Berlin, wie auch die beigefügte Darstellung belegen soll. Diesen Lauf würde ich mir gern zur Blaupause für zukünftige Läufe machen – weniger die konkrete Geschwindigkeit als das wunderbare Gefühl, immer noch ein bisschen Reserve zu haben, am Ende aber auch nicht komplett unter den eigenen Möglichkeiten geblieben zu sein. Es muss nicht immer Kaviar sein, man kann auch mit Champagner glücklich sein. Oder so ähnlich, denn Kaviar war bisher nur einmal so richtig gut, nämlich zusammen mit Blinis auf der Datscha bei unseren Tomsker Freunden, und ohne Alkohol kann ich nunmehr schon seit zwei Jahren sehr gut leben.
Der Mauerweglauf ist und bleibt für mich einer der schönsten Ultras in Deutschland, bei dem dabei zu sein ich auch in den nächsten Jahren stets versuchen möchte, egal ob als Einzel- oder vielleicht auch mal Staffelläufer oder als Helfer. Die tollen Organisatoren sind es unbedingt wert, unterstützt zu werden! Ähnlich dem Rennsteiglauf und dem FDZU werden die 100 Meilen von Berlin immer mehr zu meiner läuferischen Heimat.

Heidi-Challenge – Sommer-Edition 2025

Die Heidi-Challenge als fünftägiger Etappenlauf rund um Potsdam und Berlin soll nach ihrer Premiere 2024 jährlich quer durch alle Jahreszeiten stattfinden.
In diesem Jahr lag die Heidi-Challenge im Juni und damit nach meinem Saisonhöhepunkt zu Pfingsten. Daher war der Etappenlauf nicht primär als intensives Trainingslager geplant. Ich wollte die schönen Laufstrecken und das gemeinsame Erlebnis mit den anderen Läufern genießen, vielleicht auch mal eine schnellere Etappe einlegen und in Hinsicht auf den Mauerweglauf die Form beibehalten. Soweit der Plan, doch es sollte ganz anders kommen.

Begleiten

Als Franz beim FDZU im Juni 2025 erfolgreich 100 km lief, begleitete ich ihn ein Stück per Fahrrad. Das war eine spannende neue Erfahrung, anstrengender und weniger langweilig als zuvor erwartet. Damit das Ganze abseits von der Unterhaltung und verbaler Ermutigung noch etwas zusätzlichen Mehrwert bietet, hatte ich Franz‘ Laufrucksack in den Fahrradtaschen verstaut und sorgte auf Anforderung für Nachschub insbesondere an Getränken aus seinen Trinkflaschen. Außerdem hatte ich selbst ein wenig Essen von zuhause und eine Wasserflasche vom Barther Doppel-VP (28 & 40 km) mitgenommen. Das erwies sich bei der Meiningen-Brücke zum Zingst als überraschend weitsichtig, denn der früher dort befindliche und noch immer offiziell angekündigte private Getränke-VP fiel leider zum zweiten Mal in Folge aus. Nicht alle Läufer hatten sich darauf eingerichtet und so konnte ich ein paar Getränkeflaschen der in Franz‘ Nähe befindlichen Läufer nachfüllen. Obwohl der nächste VP am Zingster Hafen wieder exzellent ausgestattet war, nahm ich noch ein paar spezielle Wünsche auf und fuhr in den lokalen Edeka, um Wassereis, Fruchtsaft und Bier zu kaufen.

Crashen

Einen Marathon später wollte ich das wiederholen und im Ahrenshooper Edeka einkaufen, hauptsächlich Bier und Eis. Um rechtzeitig am nächsten VP im Hafen Althagen zu sein (~90 km), fuhr ich zügig voran auf dem Weg zwischen Born und Ahrenshoop. Leider etwas zu schnell, denn an einer Abzweigung kriegte ich die Kurve nicht, versteuerte mich und stürzte mit meinem Fahrrad. Der Flug über den Lenker war kurz, der Schmerz dafür heftig. Zum Glück konnte ich nach einigen Minuten aufstehen, meine Sachen zusammensuchen und sogar weiterfahren. Am VP Althagen waren noch die freundlichen Helfer vom DRK, die den ganzen Tag mit ihrem Quad im Läuferfeld hin und her fuhren. Nun hatten sie den Einsatz des Tages! Meine blutigen Hände und Knie (jeweils beidseitig!) und der rechte Ellenbogen wurden gereinigt, desinfiziert (was für ein Vergnügen!) und in Verbände gewickelt. Als Franz und die anderen Läufer in seiner Nähe kurze Zeit später eintrafen, bekamen sie trotzdem eisgekühlte Melone, Bier und Radler, denn Anne hatte das alles an ihrem VP sowieso in Thermobehältern mit Eiswürfeln…

Leiden

Franz konnte ich dann noch auf den nächsten Kilometern bis zur Seebrücke in Wustrow begleiten, dann für ich nach Hause. Abends merkte ich bereits stechende Schmerzen am rechten Unterarm bei bestimmten schnellen Bewegungen, die zum Glück am nächsten Tag deutlich weniger zu sein schienen. Allerdings wurde das über die nächsten zwei Wochen nicht wirklich besser – ich musste zur Ärztin. Diese hatte offensichtlich bei meiner ungelenken Erklärung schon einen Verdacht, der sich beim geschulten Griff verstärkte (Ja, genau dort tut es weh!) und mittels Röntgen + CT bestätigte: Radiale Fraktur, Ruhigstellung mit Gips!

Zwei Tage später wollte ich eigentlich zur Heidi-Challenge aufbrechen. Aber was kann man denn bei einem Etappenlauf mit Gipsarm tun? Die Erschütterungen würden vermutlich nicht schaden, gegen ein schnelles Wandern sollte also nichts einzuwenden sein. Aber würde Thomas Steinicke als Veranstalter das akzeptieren oder irgendein Risiko sehen, das gegen meinen Start spricht?

Wandern

Thomas hatte nichts auszusetzen an meinen Plänen, fand es wohl eher großartig, dass ich trotzdem dabei sein wollte. Natürlich war ich selbst mit Frühstart und schnellen Wanderschritt immer noch sehr viel langsamer als die anderen Teilnehmer. Das machte mir zunächst ein schlechtes Gewissen, doch bei der ersten Etappe am Samstag zeigte sich bereits, dass meine Extrawurst nicht ganz so groß sein würde bzw. die VPs wegen mir kaum länger geöffnet sein müssten als für die anderen Teilnehmer ohnehin erforderlich. So hatte ich eine wunderbare Wanderung um die südlich von Potsdam gelegenen Havelseen. Ein Läufer nach dem anderen „besuchte“ mich auf meinem Weg an Ende des Feldes, fast immer fand sich Zeit für ein paar Worte, so dass ich neben dem MP3-Player immer wieder zusätzliche Ablenkung hatte. Ein Stück vor Potsdam stand sogar Werner an der Strecke und verteilte Bier und Brause – vielen Dank nochmals! Auf dem letzten Teilstück, einer Schleife in Potsdam über Glienicker Brücke und Schloss Babelsberg, versuchte ich mich sogar an ein paar Ultraschlapp-Schritten und hatte nochmals kurze Begleitung, ebenso direkt beim Zieleinlauf durch einen weiteren Läufer, der schmerzverzerrt kaum noch gehen konnte (sich aber in den nächsten Tagen wieder fantastisch erholen sollte!).

Baden

Nachdem es bei der „Frühjahrsedition“ Ende April/Anfang Mai 2024 bereits sehr heiß war, steigerte sich dies in der „Sommeredition“ 2025 nochmals:
Sommerliche Temperaturen von mindestens 20°C beim morgendlichen Start und an den drei ersten Tagen im Maximum bis 26-28°C waren noch fast erträglich, aber am letzten Tag waren bereits kurz nach dem Start 30°C erreicht und die höchsten Werte sollten nachmittags um die 36-37°C liegen. Wenn dazu noch sonnige Abschnitte kommen und kaum ein Wind weht, wird es richtig heftig!
Beim Briefing hatte uns Thomas sowohl auf das sehr sommerliche Wetter als auch die vielen schönen Bademöglichkeiten überall an der Strecke hingewiesen. Tatsächlich führen die Etappen ja zu einem unglaublich hohen Teil an Gewässern entlang (geschätzt 80-90 %), von denen es sowohl rund um Potsdam, als auch Berlin eine Menge gibt: Havelseen (Templiner, Schwielow, Glindower, Heiliger, Tiefer See, Jungfernsee, Krampnitzsee, Lehnitzsee, Wannsee, Spandauer, Nieder Neuendorfer See, Tegelsee, Heiligensee), Groß Glienicker See, Hubertussee, Königssee, Dianasee, Hundekehlsee, Grunewaldsee, Krumme Lanke, Schlachtensee, sowie die Flüsse Havel, Spree und Spandau und viele Kanäle (Teltow, Landwehrkanal, diverse Schifffahrts- und Verbindungskanäle).
Wahrscheinlich war ich der Einzige, der diesen Hinweis ernst nahm, aber es bereitete mir viel Freude, täglich während des Laufs mal kurz anzuhalten und baden zu gehen (vier mal, am letzten Tag durch Berlin klappte es dann leider nicht, es war mir wohl einfach zu heiß).

Laufen

Gelaufen bin ich dann doch auch noch. Allerdings eher vorsichtig und langsam. Mehr wäre sowieso nicht möglich gewesen. Hohe Temperaturen, keine Ambitionen als zu finishen, fehlendes Training der letzten Wochen (allerdings bei hervorragender Ausgangsform) und natürlich auch der Gipsarm hätten nicht mehr zugelassen. Ich war über jeden Tag stolz, den ich geschafft hatte, fand am zweiten Tag in Franz und danach in Tanya und Thomas Begleiter, die ebenfalls vor allem eine gute Zeit haben wollten, vom Tempo her ähnlich lagen und sehr angenehme Gesprächspartner waren.

Gegenüber der letzten Ausgabe fanden die Etappen zwar in gleicher Reihenfolge, aber in umgekehrter Richtung, statt. Bei der Überführungsetappe von Potsdam nach Spandau funktionierte das nicht, die war identisch zum letzten Jahr, auch wenn Franz und ich uns 1-2 km später verliefen als 2024. Wegen eines Frhjahrssturms war der Spandauer Forst leider gesperrt, so musste kurzfristig eine Alternative für die fünfte und letzte Etappe gefunden werden. Dafür wurde die Berliner Stadtetappe leicht eingekürzt und wiederholt. Da es nun gerade der heißeste Tag war, wurde das zur finalen Herausforderung, denn gerade in der Stadt ist die Hitze doch noch einmal deutlich unangenehmer. Die Veranstalter haben mit frühem Start, reichlich Getränken und am Ende mit einem Zusatz-VP mit Eisversorgung versucht, das Leiden zu lindern.

Genießen

Wie im letzten Jahr, gab es eine große Anzahl an gut bis sehr gut ausgestatteten Verpflegungspunkten, in etwas alle 10-12 km. Die Freundlichkeit der Helfer war riesig, man freute sich schon im voraus auf seine Lieblinge, denn die meisten Helfer hatten regelmäßig die gleiche VP-Reihenfolge. Im Ziel gab es ebenfalls erst einmal ein kühles Getränk. Weitere sollten in einer Kasse des Vertrauens bezahlt werden, aus der dann ein Bonus für die Helfer bezahlt wurde. Ebenso wurde es beim Abendessen gehandhabt, was am ersten Tag als Tisch-Buffet und danach mit Vorspeise sowie jeweils einer Auswahl zwischen 2-3 Gerichten gestaltet wurde, um möglichst effizient zu sein. Es war wieder sehr gut. Zusammen mit der Hotelübernachtung und dem Frühstück kann man die Heidi-Serie wohl als Deluxe-Variante eines Etappenlaufs bezeichnen, was gewissermaßen ein Markenzeichen darstellt von Thomas Steinicke und seinem Team von „Heidi on Tour“. Das schlägt sich natürlich auch in den Preisen nieder, die im Vergleich zu anderen Anbietern eindeutig höher liegen. Persönlich zahle ich das Geld sehr gern für einen Qualitätsurlaub mit Sonderprogramm und leiste mir dabei auch den zusätzlichen Luxus eines Einzelzimmers. Im Vergleich zu manch anderen „Hobby-Reisen für Freaks“ sind das ohnehin alles Schnäppchen.

Brocken-Challenge 2025

Bei meiner Premiere vor einem Jahr erlebte ich eine schöne, aber doch recht frühlingshafte Brocken-Challenge. Angesichts einer Distanz von 80 km und knapp zwei Höhenkilometern war es zweifellos ein fordernder Lauf, doch mit der Idee der besonderen Herausforderung, diesen bei winterlichen Bedingungen zu absolvieren, hatte das nur wenig zu tun. Da gab es reichlich Berichte von vorangegangenen Ausgabe der BC, bei denen Kälte, Wind und Schnee von den Teilnehmern sehr viel mehr forderten. So lautete mein Fazit denn auch, dass ich gern noch einmal wiederkommen und mich an einer Edition testen würde, die nicht primär für Warmduscher gemacht war.

Die erste Bedingung sollte sich mit viel Glück erfüllen: Erneut fiel ein Freilos auf mich in Form eines Startplatzes. Pünktlich zum 1.Dezember kam die SMS „Du bist dabei!“. Nach dem Kobolt Ende November 2024 hatte ich leichte Hüftprobleme und machte einige Wochen Winterpause, bevor ab Mitte Dezember ganz sanft und nach Weihnachten deutlich ernsthafter der Einstieg ins neue Trainingsjahr begann. Das lag zum einen am Saisonhöhepunkt zu Pfingsten, bis zu dem ich meine Form aufgebaut haben wollte, zum anderen natürlich auch an der BC. Immerhin rund 500 km kamen zwischen Weihnachten und dem Start Mitte Februar zusammen, wobei nur eine Handvoll Läufe über 20 km hinaus gingen. Die Form war bedingt durch den frühen Saisonzeitpunkt nicht überragend, aber doch so gut, dass ich recht zuversichtlich starten konnte, keine Konditionsprobleme zu bekommen.

Die Wetterprognosen waren wunderbar: Winterwetter, leichte Minusgrade, Schnee gleich zu Beginn bei Göttingen und auch auf dem größten Teil der Strecke. Am Start drängten viele ans Feuer, um sich noch etwas aufzuwärmen, manche saßen aber auch in Wohnmobilen und warteten dort auf den Start. Der Gedanke, bei äußeren Minusgraden im Wohnwobil zu übernachten, ist für mich eher furchteinflössend. Wie immer waren die Stirnlampen nur für den ersten Waldabschnitt erforderlich und konnten bereits nach etwa 6-8 km ausgeschaltet werden. Es war kalt, aber nicht so sehr, dass das Atmen beim Laufen unangenehm war. Der Untergrund war teils etwas schneebedeckt, auf den Straßen gab es oft ein Wechselspiel von vereisten und freien Bereichen. Wir mussten etwas vorsichtig sein, um nicht auszurutschen, aber es war auch keine große technische Herausforderung. Die erste Hälfte der Brockenchallenge verläuft ja eher wellig durch den Vorharz, von Profil und Streckenlänge vielleicht am ehesten vergleichbar mit dem Rennsteig-Marathon.

Danach, also ab dem VP in Barbis, lag eine durchgehende Schneedecke und ich zog deshalb meine Spikes auf die Schuhe. Es geht zunächst steil nach oben zur Wasserscheide und dann in einem leichten, aber mehrere Kilometer langen Anstieg durch ein Tal hinauf zum nächsten VP, der mit dem Auto nicht erreicht und daher nur dank Pferde(schlitte)n betrieben werden kann. Wie bereits im letzten Jahr konnte ich diesen als „Entsafter I“ bezeichneten Abschnitt weitgehend laufend bewältigen, was sich positiv auf Laufzeit und Stimmung auswirkte. Im nachfolgenden „Entsafter II“ hätte ich mich beinahe verlaufen, fand den Weg aber dann doch korrekt und konnte auch eine zunehmende Schneedecke genießen, die bald mehr als knöchelhoch war. Das stimmt mich sehr zufrieden, denn diese winterlichen Bedingungen hatte ich mir ja gewünscht. Sie waren aber nicht extrem, eher moderat. Umwege aufgrund rutschiger Hänge waren nicht erforderlich, gespurte Bereiche, bei denen man auf gar keinen Fall auf die Loipen treten darf, gab es erst im Oberharz. Erneut waren die Angebote an den VPs ungewöhnlich lecker, insbesondere die veganen Kekse und Kuchen am letzten VP sind mir in Erinnerung geblieben. Erneut hatte ich das Glück, einer dampflokbetriebenen Brockenbahn zu begegnen – mit viel Schnee sieht das nochmal besser aus! Auch die kahlen Berghänge werden durch Schneebedeckung etwas erträglicher. Die allerletzte Kilometer auf der steilen Straße waren hart, insbesondere wegen des starken Windes, doch bald waren die Willkommensglocken auf dem Gipfel zu hören und dann, bei wenigen Metern Abstand, auch die freundlichen Helfer, die alle Läufer begrüßten. Die Stimmung im Goethesaal war großartig, die Wartezeit auf eine Dusche sehr erträglich, das heiße Wasser tat sehr gut und das Buffet war grandios. Dazu etwas Gesellschaft durch diverse alte und neue Bekannte und es ging mir wunderbar. Vor dem Abstieg zum Busparkplatz musste ich mir sehr viel anziehen, aber ich fror nur auf den ersten paar hundert Metern, dann war es erträglich. In der Hütte war gute Stimmung, trotz etwas unklarer Wartezeit auf die Busse, die nicht ganz so weit herangefahren waren wie im letzten Jahr.

Ein schöner Einstieg ins Laufjahr 2025!

Mad Chicken Run 2025 – Gelungenes Abenteuer mit Unterstützung – Gemeinsam läuft es besser!

Am letzten September-Wochenende machten wir uns auf dem Weg zum Mad Chicken Run bei Hänchen (ohne h) in der Nähe von Cottbus. Ich hatte im letzten Jahr erstmals an diesem Event teilgenommen und war vom Format schwer begeistert. Aufgrund der Erfahrungen des Vorjahres und der beschwerlichen Unterbringung in meinem altgedienten Wurfzelt hatte ich für dieses Jahr die Luxusvariante mit Camper anvisiert und konnte auch Ela und Martin überzeugen, mich dabei zu begleiten und zu unterstützen.

Nachdem wir am Freitagmittag unseren Camper von der Verleihstation abgeholt und uns mit den Details vertraut gemacht hatten, ging es dann mit einiger Verspätung los Richtung Hänchen, wo wir am Abend und noch rechtzeitig zur Knödelparty im Böhmischen Rasthof ankamen. Nach einem stimmungsvollen Abend konnten wir dann unseren Camper soweit aufbauen, dass wir für den anstehenden Wettkampftag gerüstet schienen und noch eine nächtliche Begehung der 2 km-Runde absolvieren konnten. Zudem war auch noch ein megageiler Sternenhimmel zu sehen. Matze, ein Lauffreund aus Berlin, gesellte sich hinzu und richtete auch Grüße von Werner aus, der sich wohl bereits schon schlafen gelegt hatte.

Am nächsten Morgen hatten wir strahlendes Sonnenwetter – kein Vergleich zum verregneten Wochenende im Vorjahr – und wir fieberten den Start des Mad Chicken Runs entgegen. Werner hatte ich inzwischen auch schon getroffen und wir waren alle bester Laune. Das „24 Std. Racing-Team“ war startklar:

Wir hatten es uns recht gemütlich gemacht und Vordach und Campingmöbel waren zum Ausruhen installiert.

Pünktlich um 10 Uhr erfolgte der Startschuss und ich machte mich wohlgemut auf die Runden. Ich hatte mir aufgrund des Vorjahres auch eine Strategie zurechtgelegt, mit dem Ziel mehr Runden zu absolvieren als letztes Jahr und auch flexiblere Boxen-Stopps und Schlafpausen einzulegen. Das Wetter war prächtig und ich konnte in kurzen Klamotten gemütlich mit einer 7er-Pace loslaufen. Die abwechslungsreiche Runde mit Asphalt, Waldweg mit Wurzelfallen und Feldwege hatte ich noch in guter Erinnerung. Erfreulich war auch, dass diesmal der Untergrund optimal war und keine Pfützen zu umrunden waren.

Es lief ganz gut und ich visierte meine Boxenstopps nach jeweils 10 absolvierten Runden (20 km) an. Die erste Schlafpause wollte ich dann nach Erreichen der geforderten Mindest-Distanz nach 30 Runden (60 km) einlegen.

Die ersten beiden Boxenstopps nach km 20 und km 40 – meine Rundenzeiten wurden wie erwartet langsamer – waren im Campingstuhl unter dem Vordach des Campers und dank der Unterstützung von Ela und Martin ein wahrer Genuß und in keinster Weise mit meinen Erholungspausen im letzten Jahr zu vergleichen. Unser Camper stand auch an einer strategisch günstigen Stelle. Genau dort, wo die einen Laufenden von der Runde zurück in Richtung Verpflegungsspunkt kamen und die anderen von dort wieder auf die große Runde aufbrachen. Es gab viel zu sehen und zu bestaunen und Ela und Martin hatten viel Spaß.

Gegen 19 Uhr hatte ich dann auch – rechtzeitig vor Einbruch der Dämmerung und einhergenden Stirnlampenpflicht – mein Minimalziel von 30 Runden und damit auch meine erste Schlafpause erreicht. Zum großen Glück gab es am VP auch eine warme Suppe mit Reis und Toppings. Die Verpflegung und Unterstützung der Helfenden beim Mad Chicken Run war wieder grandios!

Ich gönnte mir eine Schlafpause von etwas ca. vier Stunden und ging dann mit warmen Klamotten und Stirnlampe dann kurz nach 23 Uhr in die kühle Nacht. Ich war guter Dinge, da ich auch bereits einige Nachtläufe hinter mir habe und diese sehr mag. Ich hatte dieses Jahr auch bereits am Nachtlauf der LG Mauerweg im Juli teilgenommen und fühlte mich für diese dunkle Phase der 24 Stunden gut vorbereitet. Natürlich passte ich auch mein Laufverhalten und mein Tempo den nächtlichen Gegebenheiten an, bewältigte die Wald- und Feldwegrunde nur noch im Power-Walking und lief nur noch auf den Asphalt-Strecken. Ansonsten wäre mir die Stolper-Gefahr allzu groß gewesen. Inbesondere auch deshalb, da ich seit über einem Jahr auch einen zunehmenden Grauen Star habe, der im November/Dezember hoffentlich operativ behoben wird.

Ela war ganz hin und weg von der nächtlichen Atmosphäre und den Lichtern, die von den Laufenden mit ihren Stirnlampen erzeugt wurden und sie sagte auch, dass sie den Zusammenhalt und Team-Spirit deutlich spüren konnte. Was wirklich magisch war.

Mein nächstes Ziel war auf insgesamt 45 Runden (90 km) zu kommen und dann evtl. noch ein Power-Napping einzulegen. Der Camper lockte ungemein … Das tat ich dann auch kurz vor 5 Uhr morgens und konnte mich dann – ohne schlechtes Gewissen – eineinhalb Stunden aufs Ohr legen. Kurz nach 6 Uhr klingelte dann der Wecker und danach ging es zur letzten Etappe wieder auf der Strecke.

Es lief wieder sehr gut und ich war guter Dinge, dass ich mein Ziel, das Ergebnis vom Vorjahr zu toppen, erreichen konnte. Ich hatte 2024 insgesamt 53 Runden (106 km) absolviert und bereits um 7 Uhr morgens vorzeitig das Rennen beendet. Diesmal sollte es anders laufen und ich war motiviert bis zum Zielschluss um 10 Uhr durchzuhalten.

Das gelang mir dann auch und ich erreichte das Ziel nach 56 Runden (112 km) kurz vor Zielschluss – siebeneinhalb Minuten waren noch auf der Uhr:

Anschließend genoßen wir alle das gemeinsam Erreichte in der Morgensonne, bevor dann die Siegerehrung anstand:

Alles in allem war ich stolz wie Bolle und vor allem dankbar für die überragende Unterstützung meines Racing-Teams, Ela und Martin, die mich immer wieder super motivierten und mir das Gefühl gaben, nicht ganz alleine zu sein. Ebenso auch die Motivation von den ganzen Mitlaufenden – insbesondere von Matze, Werner und Aldo!

Anschließend machten wir dann bei dem schönen Wetter und auf Empfehlung von Aldo noch einen Abstecher nach Bad Muskau zum Fürst-Pückler-Park, bevor wir dann zur Rückreise nach Berlin aufbrachen.

Eine wirklich tolle Erfahrung, etwas gelassener und flexibler mit Unterstützung einen solchen 24 Std.-Lauf anzugehen. Für das nächste Jahr bin ich wieder voll motiviert, mit Freunden und Bekannten daran teilzunehmen. Und außerdem: Ich bin guter Dinge dann auch meine Leistung vom Vorjahr (geringfügig) zu steigern 🙂

Inas erster Ultra

Beim diesjährigen Vollmondmarathon am zweiten August-Wochenende war es endlich soweit: Ina hatte zu ihrem ersten Ultra-Marathon gemeldet.

Kurz vorher gab es noch einige Unwägbarkeiten. Aufgrund des Sturm-Tiefs „Ziros“, welches Ende Juni im Spandauer und Tegeler Forst heftige Sturmschäden hinterließ, war die Vollmond-Strecke durch den Tegeler Forst immer noch bis Mitte August aus gutem Grund gesperrt. Aber die Organisitoren ließen einfach die Ultras die Pendel-Strecke der Halbmarthonis zwei Mal laufen. Verbunden mit einer Zusatzschleife, damit dann auch ein Ultra daraus wurde.

Ich kam mit Ina bereits mehr als eine Stunde vor dem Start dort an, um uns mit der Situation vertraut zu machen und uns mit Jan zu treffen:

Um 16 Uhr ging es dann los auf der Strecke raus in die Hitze. Pünktlich zum Vollmond-Wochenende war die Kälte-Periode aus dem Juli vorbei und wir hatten zum Start kuschelige knappe 30 Grad im Schatten. Wir liefen am Ende des Feldes begleitet von Andreas, der die erste Hälfte des Ultras als „Besenläufer“ fungierte.

Trotzdem, dass wir am Ende des Feldes waren, liefen wir ein flottes Tempo bei der Hitze. Immer am Wasser lang Richtung Tegeler See und Greenwich Promenade. Unterwegs bekamen wir dann eine Ahnung von den Sturmschäden aus dem Juni:

Das war schon beeindruckend!

Es ging weiter zur Greenwich Promenade und über die „Sechser-Brücke“ noch eine Runde in den Tegeler Forst, um dann die Kehre zu machen und den Weg zurück anzugehen. Das Tempo und die Hitze hatten – jedenfalls bei mir – ihre Spuren hinterlassen und ich überlegte ernsthaft am Sportszentrum Siemensstadt in Saatwinkel auszusteigen. Für eine weitere Pendelstrecke bei der Hitze konnte ich mich mental nicht mehr motivieren.

Also stieg ich dann entkräftet nach der ersten Runde aus und ermunterte Ina dazu, ihren ersten Ultra gemeinsam mit Jan zu finishen. Und das funktionierte auch richtig gut, wie mir Jan berichtete.

Glücklich und geschafft kamen dann beide im Vollmondschein ins Ziel:

Herzlichen Glückwunsch zu Deinem ersten Ultra, Ina! Mögen hoffentlich noch einige folgen!!!

Intensive Juni-Läufe

Fischland-Darß-Zingst-Ultra und HEIDI-Challenge (2. Etappe)

Der Juni war dominiert von meinem diesjährigen Highlight dem Fischland-Darß-Zingst-Ultra (FDZU), worauf ich das ganze Jahr hingefiebert und gearbeitet hatte. Ich hatte nach meiner Teilnahme im letzten Jahr wieder gemeldet, da ich der Meinung bin, dass bei solchen extremen Läufen (wie z. B. Biel, Thüringen Ultra, 100 Meilen Berlin) eine Bestätigung (Wiederholung) der erbrachten Leistung unbedingt notwendig ist, um so ein Projekt abzuschließen.

Ich machte mir auch gute Hoffnung, dass ich aufgrund der schlechten Witterungsbedingungen im letzten Jahr diesmal deutlich weniger Zeit benötigen würde. Als zweite Stufe meines Größenwahns zog ich auch in Erwägung, diesmal die volle Distanz (115 km) anstatt der „kurzen Runde“ (100 km) zu bewältigen. Es sollte wieder einmal alles ganz anders kommen ….

Zusatzlich war ich auch guter Dinge, da mich meine geliebte Frau bei diesem Trip begleitete und wir zudem eine ganze Woche ein Appartment in der Alten Seefahrtschule in Wustrow gebucht hatten.

Letztendlich musste ich aber dann beim FDZU sehr schnell erkennen, dass 15,5 Sonnenstunden – wenn auch bei erträglichen Temperaturen – genauso und auch noch mehr anstrengend sein können als die drei Schlechtwetterfronten, die ich letztes Jahr zu überstehen hatte. Kurz nach Barth bei km 42 hatte ich schon ernsthaft überlegt, ob ich aussteigen sollte. Die Rettung nahte aber in Person von Ralf, der just in diesem Moment überraschend und radfahrend hinter mir auftauchte und mir seine Radbegleitung anbot. Die nahm ich natürlich gerne an und konnte ohne Laufrucksack und zusätzlichem Gewicht – von dem ich auch so als Genußläufer einiges zuviel habe – wieder mit gutem Gefühl weiterlaufen. Letztendlich kam ich dann deutlich später als geplant aber dennoch glücklich am 100 km-Ziel an und ich war froh, dass wir noch vier Tage zur Regeneration auf dem Darß zur Verfügung hatten.

Im Vorfeld vom FDZU hatte ich auch meine Teilnahme an der HEIDI-Challenge zwei Wochen später in Berlin erwogen. Zumindest für die zweite Etappe am Sonntag (67 km). Die Teilnahme an einem weiteren Ultra direkt vor meiner Haustür war einfach zu verlockend, als dass ich hätte verzichten wollen.

Nachdem ich mich eine Woche nach dem FDZU dann einigermaßen erholt hatte und guter Dinge war, meldete ich mich dann kurzentschlossen dafür an. Letztendlich konnte ich auch diesen Ultra finishen und meiner Sammlung von Marathons/Ultramarathons zum Erreichen meines Mega-Ziels dem 100Marathon-Club hinzufügen.

Nach der Harzquerung ist vor dem FDZU

Den Mai habe ich genutzt, um mich für den anstehenden Fischland-Darß-Zingst-Ultra (FDZU) vorzubereiten, nachdem ich Ende April mit der Harzquerung meinen bereits vierten Ultra in diesem Jahr absolviert hatte.

Für erfahrene Ultra-Laufende hört sich das nicht unbedingt ambitioniert an, jedoch ist es für meine Verhältnisse doch ein beachtliches Ergebnis, da es genau der Saison-Planung entspricht, die ich Ende vergangenen Jahres skizziert hatte.

Die Harzquerung verlief etwas anders und ich hatte am Ende mehr als eine Stunde benötigt, als ich geplant hatte. Aber es war dennoch ein schöner und entspannter Lauf und das zählt ja am Ende: Erlebnis vor Ergebnis …

Ich war wieder mit Ralf verabredet, der die Harzquerung als „Regenerationslauf“ nach dem JUNUT und vor der Heidi 222 am Pfingst-Wochenende nutzte. Wir kamen am Vortag in Wernigerode an und teilten uns für die Übernachtung eine Gästewohnung. Angekommen erkundeten wir Wernigerode. Die Stadt war gut besucht, da es das Wochende vor der Walpurgisnacht auf dem nahen Bocksberg war. Wir machten uns auf, den Aufstieg zum Wernigeroder Schloss zu erklimmen und eine Aussicht über den Harz und der drohenden Strecke am darauffolgenden Tag zu erlangen.

Am nächsten Morgen ging es dann mit vielen anderen Naturfreunden los in den Harz. Die 44. Harzquerung war bereits seit Anfang des Jahres völlig ausgebucht und es herrschte ein hektisches Gedränge vor dem Start. Die ein oder andere Laufbekanntschaft befand sich auch darunter.

Wir nutzten den recht steilen Einstieg dazu, uns mit einigen Mitlaufenden zu unterhalten und Mut zuzusprechen für das Kommende. Recht bald merkte ich, dass ich die angestrebte Pace an dem Tag nicht halten konnte und passte mich meinen Möglichkeiten an. Wollte ich doch eh nur einen weiteren (Ultra)Marathon auf meinem Weg zum 100 Marathon-Club sammeln.

Ich genoss das wirklich ideale Laufwetter und ließ meinen Blick – wenn es denn das Geläuf zuließ – über den Harz schweifen. War ich bei meiner letzten Teilnahme vor drei Jahren (2022) noch geschockt über die Auswirkungen des Baumsterbens im Harz und über die wirklich kahlen Hügel (Der Wald war weg!), sah ich diesmal zarte Anzeichen der Bemühungen der zwischenzeitlichen Aufforstung und war sehr erfreut.

Ein kurzes und obligatorisches Gipfelfoto auf der höchsten Erhebung auf der Strecke, dem Poppenberg, und dann ging es vorwiegend bergab – aber doch noch mit drei weiteren zum Teil knackigen Anstiegen – in Richtung Nordhausen. Nach etwa achteinhalb Stunden kam ich dann in Nordhausen an und war sehr glücklich.

Nun bin ich gespannt, ob es mir in zwei Wochen gelingen wird, den FDZU ein zweites Mal zu finishen und hoffe auf ein deutlich besseres Wetter als im vergangenen Jahr.

Test Self-Supported Running oder Greifswalder und Berliner trainieren zusammen

Die Idee:
„Berlin, Berlin – wir laufen nach Berlin!“

Das war ursprünglich mehr oder weniger mein Motto für einen besonders langen Trainingslauf. Dahinter stand die Frage oder Herausforderung, ob ich es schaffen würde, selbstorganisiert so weit zu laufen. Die Entfernung von Greifswald nach Berlin ist nicht gerade gering, so dass auch ein „Doppeldecker“ an zwei aufeinander folgenden Tagen mit Übernachtung in Frage kam.
Bei der Planung stellte sich schnell heraus, dass mir die Strecke dann doch zu lang sein würde, weshalb im ersten Schritt Berlin durch Bernau ersetzt wurde, wo sich ja im Nordosten der erste S-Bahn-Anschluss befindet. Attraktiv erschien zunächst wegen der guten Ausschilderung der Fernradweg Berlin-Usedom (berlin-usedom-radweginfo.de), doch der hat schon ab Anklam 215 km, zu denen ungefähr 35 km von Greifswald nach Anklam hinzu kämen. Selbst mit zwei „halboffiziellen“ Abkürzungen zwischen Joachimsthal und Steinhöfel (Originalweg: 28 km, Abkürzung: 17 km, also -11 km) sowie zwischen Werbelow und Bugewitz (Originalweg: 69 km, Abkürzung: 44 km, also -25 km) wäre es zuviel mit deutlich über 200 km – es musste also direkter sein.

Streckenplanung

Bei Google Maps oder Pedometer fanden sich kürzeste Wege für Fußgänger zwischen Greifswald und Bernau von etwa 177 km Länge. Das erschien erheblich realistischer. Allerdings führten diese teils auf stark frequentierten Straßen, teils komplett abseits größerer Orte – es ging durch Uckermark und Schorfheide. Die notwendige Läuferverpflegung erforderte aber unbedingt regelmäßige Einkaufsmöglichkeiten! Folglich suchte ich über diverse Stützpunkte eine Strecke heraus, die Supermärkte und Natur bot und bezüglich der Länge nur kleinere Kompromisse machte. Da der Lauf auch über Nacht geplant war, konnten das nicht nur Supermärkte sein. Zum Glück gab es erstaunlich viele Tankstellen mit 24h-Öffnung, insbesondere im Norden.

Zeitplan

Zeitlich bedingt ergaben sich mehrere Optionen mit Starts am Morgen mit Übernachtung, am Nachmittag oder frühen Abend mit Tankstellen in der Nacht und dem ersten Laden in einem Dorf hinter Neubrandenburg (öffnet 7 Uhr!). Als ich Franz meinen Plan vorstellte und ihn fragte, ob er vielleicht einen Abschnitt mitlaufen würde, antwortete er nach Art vom Sender Jerewan: Im Prinzip ja, aber … Dienstlich bedingt wäre es für ihn freitags günstiger als samstags und wegen des Werderseelaufs in Bremen sollte es das Wochenende um den 8.März sein. Kurz darauf hatte er sogar noch Fabian als Fahrradbegleitung angeworben. David meldete sich spontan auch an, einen langen Trainingslauf von irgendwo nach Greifswald machen zu wollen. Dazu bot sich das per Bahn erreichbare Neubrandenburg an. Unser Plan sah nun so aus: Freitagmorgens ab Bernau, Franz läuft mit bis Templin, dann folgt eine Solo-Strecke, bis David am späten Abend bei Neubrandenburg hinzu kommt.

Start

Kurzfristig änderte ich noch die Startzeit nach vorn, da die Sorge bestand, dass wir der Zeitplan vielleicht zu optimistisch war. So stand ich am Freitagmorgen zehn nach vier auf, joggte bereits in Laufklamotten anderthalb Kilometer zum Greifswalder Bahnhof und fuhr mit dem Regionalexpress nach Bernau. Da hatte ich reichlich Zeit für das Eincremen meiner Füße mit Anti-Blasen-Gel, fürs Frühstück (Baguette belegt mit 2 Bananen sowie einige Waffeln), für die finale Sortierung der Sachen in meinen Laufrucksack und in einen Extrabeutel für den Fahrradkorb, und für ein bisschen Dösen. Je näher Berlin kam, desto voller wurde der Zug. Um 7:15 Uhr angekommen war noch Zeit den Bernauer Bahnhof anzusehen (die ramponierte Digitaluhr aus den 80er auf dem Vorplatz blieb in Erinnerung) und zu frösteln, bis Franz und Fabian aus Berlin eintrafen und wir gegen 8 Uhr los liefen. Gleich nach hundert Metern nahm ich die falsche Straße, was aber gleich bemerkt und korrigiert wurde. Wir kamen am Stadtpark vorbei, der mir in bester Erinnerung blieb, weil ich dort im Coronajahr 2020 meinen ersten längeren Lauf nach 15 Jahren Laufpause absolvieren durfte und nach 12 Stunden über erreichte 100 km sehr glücklich war. Unter anderem waren einige Läufer der LG Mauerweg mit ihrem Partyzelt dabei, was zu meinem ersten Start bei den 100 Meilen im darauf folgenden Jahr führte. Bei jenem Mauerweglauf 2021 lernten Franz (radbegleitet von Fabian) und ich (radbegleitet von meinem Bruder) uns kennen, als wir mitten in der Nacht aufeinander trafen, einer kaputter als der andere, und eine längere Strecke bis kurz vor das Ziel zusammen schwankten (laufen war es nicht mehr). Fabian ist in Berlin seit Jahrzehnten beheimatete österreichische Prominenz, denn er hat nicht nur viele Berliner (Straßen-)Kunstwerke geschaffen, sondern auch das wunderbare Laufwolke-Logo!

Los gehts!

Straße oder Waldweg?

Nach Verlassen eines Vororts Bernaus kam die erste Stunde der Wahrheit: Straße oder Waldweg? Im Vorfeld hatte ich lange gegrübelt, wo es lang gehen sollte. Manchmal gab es eindeutig erkennbare Radwege neben der Straße, dann war es klar und einfach. Manchmal waren die besten Verbindungen zwischen Ortschaften lange, direkte Wald- oder Feldwege oder (vermutlich) kaum befahrene Kreisstraßen – auch dann fiel die Entscheidung leicht. Auf einigen Abschnitten konnten aber weder Open Street Maps noch Google klare Aussagen liefern, wie befahren die Straßen wirklich waren und ob es Radwege daneben gab. So war es auch hier, zwischen Bernau und Lanke. Die alternativen Waldwege wollte ich nicht unbedingt nutzen, weil ich lange und kraftraubende Zusatzkilometer befürchtete, vielleicht auch komplizierte Navigation. Genau so kam es dann auch! Die Straße war für einen Freitagmorgen mäßig befahren, hatte aber immer wieder Leitplanken. Auf solchen Abschnitten versuchten wir zunächst links zu laufen, um den entgegenkommenden Verkehr gut sehen zu können. Fabian hatte dabei ein sehr schlechtes Gefühl und hielt sich mit seinem Fahrrad besser rechts. So besetzten wir aber beide Straßenränder und konnten froh sein, dass die Autofahrer recht rücksichtsvoll waren, sich selten auf unserer Höhe begegneten und falls doch, auch mal warteten. Uns war aber schnell klar, das musste nicht immer so bleiben und wir wollten nicht als Verkehrsopfer enden. So versuchten wir es teils auf einem parallel zur Straße verlaufenden Waldweg – der war allerdings abschnittsweise nicht fahrradtauglich und ging auf weichem Geläuf permanent auf und ab, während die Asphaltstraße höhennivelliert war. Als dieser Weg abrupt endete, kehrten wir wieder auf die Straße zurück und liefen rechts vor dem Fahrrad. Wie war ich froh, als dieser Abschnitt endlich vorbei war! In der Nachbetrachtung stellte ich fest, diese 7 km hätten sich mit knapp einem Kilometer Umweg durch den Wald deutlich entspannter bewältigen lassen, aufgrund unserer gelaufenen Ausweichmanöver wäre die alternative Strecke vielleicht auch schneller gewesen.

Traumhafte Natur

Das nächste Teilstück entschädigte uns für den stressigen Start. Es ging -abseits der zur Autobahn führenden Straße- auf breitem Feldweg an zwei Seen entlang. Die Sonne schien, es wurde warm, man hätte fast baden wollen, doch wir hatten ja noch einiges vor. Es war auf jeden Fall so, wie man sich einen Lauf durch Brandenburger Landschaft vorstellt. Im nächsten Ort trafen wir zwar nicht ganz den Weg, aber den nächsten wunderschönen See und liefen in Richtung einer Autobahnbrücke. Eigentlich sollten wir hundert Meter weiter rechts sein, doch das war oberhalb eines Hangs und dahin führte erst einmal nichts. Unser Weg ging dann unter der Brücke hindurch, die den schmalen See überspannte. Nun mussten wir „nur noch“ zurück auf den eigentlichen Pfad gelangen. Doch die auf der Karte eingezeichneten Waldwege verliefen leider irgendwo im Nirgendwo! Für unsere tapfere Fahrradbgleitung war das ein Albtraum, denn es ging hoch und runter durchs Gebüsch, bis sich endlich eine „Waldautobahn“ fand, die die Fortsetzung unserer Originalstrecke war. Von da an gab es lange Zeit kaum Probleme, aber viel schöne Natur. Es folgte ein Radweg an einer kaum befahrenen Straße bis zum Finowkanal und entlang des Kanals ein schöner Rad- und Wanderweg bis zum Ortsende von Zerpenschleuse, von wo es auf Feld- und Waldwegen direkt nach Groß Schönebeck zum ersten Stopp ging. Zwei Bonusmeilen inklusive hatten wir gut 33 km hinter uns gebracht, als wir dort 12:45 Uhr eintrafen, etwa 30 min später als ursprünglich geschätzt.

Ja, hier entlang! Der selbstdesignte Track forderte meinen Orientierungssinn immer wieder heraus

Im Supermarkt stellte ich fest, dass mein Trinkbedarf zwar groß, der Hunger aber noch überschaubar war. Franz konnte ein Eis verdrücken, mir genügten Salzbrezeln, Cola und eine große Flasche stilles Wasser. Die war sogar aus Glas und damit besonders nachhaltig, hatte aber doch nur 0.75 l. Das stellte noch kein Problem dar, fürs erste genügte die Menge und unser nächstes Ziel Templin sollte ja keine 30 km entfernt sein. Hinter Groß Dölln kamen wir an einem ehemaligen Militärflugplatz vorbei, der vor über zehn Jahren mit der damals größten Photovoltaikanlage Deutschlands bebaut wurde. Dabei ergab sich erneut das Problem, das einmal zu spätes Abbiegen sich nicht immer so leicht korrigieren liess, wie es die Kartendarstellung des Navis suggerierte. Letztlich standen wir wenige dutzend Meter vor unserem weiterführenden Weg und es ging (eigentlich) nur nach rechts oder links. Fabian machte über links einen kleinen Umweg von ein paar hundert Metern, Franz und ich schlugen uns direkt durch die Büsche. Nach fünf Minuten war der Weg erreicht, vermutlich an der alten Landebahn, nun mit Solarmodulen bebaut. Ein bißchen Brandenburger Sandwüste, etwas mehr Kiefernwald, noch einige Kilometer beste Wege, schon hatten wir Templin erreicht. Kaum war der lokale Edeka gefunden musste sich Franz zwischen baldiger Zugabfahrt vom 3-400 m entfernten Bahnhof und einem Einkauf entscheiden und wählte die dritte Option: Beides! Klingt salomonisch, doch am frühen Freitagabend ging es an den Kassen so gemächlich zu, dass sie leider den Zug verpassten. Immerhin gab es stündliche RE-Verbindungen! Ich hatte immer noch genug feste Vorräte und füllte den Flüssigbedarf nach mit einer Brause für den Magen und einem (ganzen!) Liter für die beiden Softflasks. Nur ein Erdnussriegel kam noch hinzu. Meine kurze Hose behielt ich an, zog aber ein warmes Unterhemd unter das T-Shirt und Ärmlinge an. Dazu kamen Buff, Pulswärmer, Stirnlampe und Warnweste, die ich hinten halb über meine Trinkweste (Laufrucksack) drapierte, um für die beginnende Dunkelheit gewappnet zu sein. Die Sachen von Fahrrad musste ich nun natürlich selbst tragen, aber es passte alles in den kleinen Rucksack hinein.

Finstere Zeiten

Kurz nach halb sechs ging es weiter Richtung Norden, zunächst 2 km an einer mäßig befahrenen Landesstraße ohne Radweg, dann auf kleineren Straßen und Wegen fast ohne Verkehr. Dank klarem Himmel und mehr als halbem Mond war die Straßenmarkierung noch lange sehr gut erkennbar und die Stirnlampe eher zur Vorwarnung entgegenkommender Autos als zur Straßenbeleuchtung erforderlich. Um Akkuzeit zu sparen, nutzte ich über längere Zeit lediglich die Sparstufe (10 Lumen) meiner Petzl Actik (Core). Diese hat drei weiße Helligkeitsstufen: 600 lm – hält maximal 2 h und sollte daher nur für kurzzeitige Ausleuchtung zur Streckenfindung, aber nicht versehentlich dauerhaft benutzt werden, 100 lm – hält mit 7-8 h nur in kurzen Sommernächten durch die ganze Nacht, ist aber komfortabel hell, 10 lm – hält mit etwa 70 h praktisch ewig, zumal die Lampe bei niedrigem Akkustand automatisch in diesen Modus wechselt. Kurz vor dem Lauf hatte ich sicherheitshalber einen Wechselakku gekauft und hätte also die Wege auch großzügiger ausleuchten können. Doch dann wollte ich es wissen und sparte über längere Strecken. Das ermöglichte immerhin die Lektion, dass sich die Akkulaufzeit -wie im Kleingedruckten erwähnt- bei niedriger Temperatur deutlich verringert, denn gegen Ende der Nacht war es schon ganz schön funzlig, weil nur noch 10 lm zur Verfügung standen. Leider war ich da schon zu faul zu allem, auch zum simplen Batteriewechsel. Beim JUNUT muss ich das unbedingt an einem VP einplanen! Mehr Licht sorgt doch für deutlichen Laufkomfort und wahrscheinlich auch mehr Aufmerksamkeit. Nicht ganz unwichtig, wenn es sich um Feldwege mit groben Pflastersteinen handelt, die auf dem Foto hoffentlich erkennbar sind. Doch die meisten Wege bis zu nächsten Station Feldberg (und auch danach) waren einsame asphaltierte Landstraßen, was mir sehr gut passte. Mit Hörspiel und Musik in den Ohren kam ich ganz gut voran.

Nächtliche Impressionen beim Schein der Kopflampe

Nix zu haben in und um Feldberg

Bei der Planung stand immer die Frage im Raum, welches durchschnittliche Tempo laufbar wäre. Wichtig war das an zwei Stellen: In Feldberg und beim Treff mit David. Feldberg bietet eine Menge Einkaufsmöglichkeiten wie Supermärkte, Discounter, Tankstellen, Imbisse und Restaurants. Leider schließen fast alle um 20 Uhr, mit Ausnahme eines Imbisses (21 Uhr) und diverser Gaststätten, die ich aber nur im Notfall zum Nachfüllen von Wasser aufsuchen wollte. Meine Planung war eigentlich von Anfang an mehr ein Wunsch, noch vor 20 Uhr in Feldberg zu sein. Deshalb entschied ich mich für den frühesten Zug aus Greifswald und wir starteten morgens um acht statt neun; doch spätestens in Templin war klar, dass es in Feldberg nix mehr geben würde. In dem (kleinen) Teil der Stadt, durch den ich gegen 22:30 Uhr lief, waren die Bürgersteige längst hochgeklappt und fast niemand war auf der Straße zu sehen. Das vorausahnend hatte ich noch ein wenig Reserve in den Trinkflaschen gelassen und nun musste es halt reichen bis ins rund 30 km entfernte Neubrandenburg, wo es 24/7-Tankstellen gab.

Wechsel auf Nachtmodus

War ich tagsüber bei frühlingshaftem Wetter (Sonne, über 15 °C) zumeist in kurzer Hose, langen Kompressionsstrümpfen, kurzem T-Shirt und Basecap gelaufen, so hatte ich bereits am frühen Abend mit Unterhemd, Ärmlingen und Buff nachgerüstet. Nun war es Zeit für die Nachtkleidung, es sollte auf wenige Grad über Null abkühlen. Das bedeutete, die Schuhe aus- und die langen Wintertights anzuziehen, was sich im Freien als keine leichte Übung herausstellte, die ich nur bibbernd und mich schüttelnd erledigen konnte. Dazu gab es ein langes Shirt, eine (halbwegs) winddichte Jacke, Handschuhe und Wintermütze. Einige Kilometer weiter war mir wieder warm, doch lieber etwas Schweiß produzieren als frieren!
David war inzwischen in Neubrandenburg eingetroffen und 23 Uhr in meine Richtung losgelaufen, also nach Südsüdost. Es war abzusehen, dass wir uns etwa bei der Hälfte dieses knapp 30 km langen Teilstücks treffen würden. Kurz nach ein Uhr sah ich dann einen leicht flackernden Leuchtpunkt langsam näherkommen, ein untrügliches Zeichen, dass wir die gleiche Straße genommen hatten. Kurz hatte ich noch überlegt, mir irgendeinen blöden Scherz auszudenken wie meine eigene Stirnlampe auszuschalten und dann zurück oder einfach an ihm vorbei zu laufen, doch ich war schon zu geschafft und froh über die Begleitung, so das es eine ganz normale Begegnung wurde – so normal es eben sein kann, wenn sich nachts auf einsamer Landstraße zwei Läufer treffen. Wie viel wir von unseren bisherigen Tageserlebnissen erzählten und ab wann es schweigsamer wurde, habe ich schon wieder verdrängt oder vergessen. Noch erinnern kann ich mich, dass der Weg bis Burg Stargard länger war als gedacht, da sich auch weit entfernte Dörfer als Ortsteile bezeichneten (eine Gemeindereform förderte in MV die Bildung von Großgemeinden). Dass der Ort selbst recht lang war, wusste ich von der Planung her noch ganz gut; dass zwischen seinem Ende und dem Ortsanfang Neubrandenburgs nur ein kurzes Stück war, kam mir auf jeden Fall sehr entgegen. In Neubrandenburg liefen wir einige Zeit an der großen Bundesstraße B96 entlang, die -doppelspurig- wie eine der großen Magistralen Berlins aussah, aber morgens gegen drei fast verkehrsfrei war.

Auf den „Rewe2go“-Shop an der Tankstelle hatte ich mich schon lange gefreut, nicht nur wegen des dringend benötigten Flüssigkeitsnachschubs, sondern weil ich auf das nächtliche Einkaufserlebnis im Laden neugierig war, seit ich bei der Planung darauf gestoßen war. Wie sich herausstellte, handelte es sich um einen gewöhnlichen Tankstellen-Shop. Wie üblich, hatte der nachts seine Türen geschlossen. Man konnte also nicht durch wohlige Wärme wandeln und sich von seinen Bedürfnissen inspirieren lassen wie in meiner Phantasie, sondern musste seine Wünsche am Nachtschalter der Tankstelle äußern. So beschränkte ich mich erneut auf die üblichen Verdächtigen: 0.5 l Cola für mich und 1 l stilles Wasser für die Softflasks, von denen eine zusätzlich noch mit Isopulver versorgt wurde. Während der wenigen Minuten Standzeit wurde mir so kalt, dass ich auch noch meine Regenhose überzog und damit fast „all in“ ging bzw. „all on“ lief, denn nur durch baldigen Aufbruch war der Wärmehaushalt wieder zu besänftigen.

Die weitere Streckenplanung bot zwei Wege entlang von Straßen bis zum nächsten Etappenziel Altentreptow. Wir entschieden uns gegen die etwas kürzere Variante entlang der ehemaligen Bundesstraße B96, die hier degradiert wurde, seit sie parallel zur A20 führt. Es war unklar, wie viel Verkehr dort sein würde und wie sicher wir uns auf dieser Straße ohne Radweg fühlen würden. Die alternative Route westlich davon hatte zwar auch keinen Radweg, war aber nachts kaum befahren. David suchte noch einen kürzeren Zugang von Neubrandenburg heraus, der (anfangs) sogar als Radweg ausgeschildert war und durch nächtliche Wiesen und Felder führte – sehr schön! Es wurde langsamer wieder dämmrig und etliche Kilometer vor Altentreptow ging die Sonne als roter Ball über dem dunstverhangenen Tollensetal auf. Fotos können diesen Anblick kaum wiedergeben, vor allem nicht, wenn man sich vor ihrer Betrachtung nicht die Nacht um die Ohren geschlagen hat…

Die Sonne geht auf: Romantik pur (mit Windrädern)
Auf der Landstraße kurz vor Altentreptow

Wir erreichten Altentreptow gegen 7 Uhr. Meine optimistische Planung hatte urspünglich auf 4 Uhr geschätzt und weitere 8 h für die restlichen über 50 km bis Greifswald. Realistisch gesehen, konnten wir nun mit einer Ankunft in Greifswald zwischen 15 und 17 Uhr rechnen. Das war daheim so nicht kommuniziert worden und insgesamt wurde mir dieser Lauf auch etwas zu lang. So stellte sich eigentlich nur noch die Frage, wie lang wir noch laufen wollten – und gehen natürlich, denn inzwischen kamen immer mehr Gehpausen hinzu.
Davids hatte einen Telefonjoker! Seine Frau hatte angeboten, uns bei Bedarf aufzusammeln und nach Hause zu holen1. Da wir sie nicht vor dem Aufwachen anrufen wollten, einigten wir uns schon einmal darauf, dass wir auf jeden Fall noch ein Stück laufen würden; vielleicht nicht die 28 km bis zur nächsten geplanten Station Jarmen, aber etwa die Hälfte bis Klempenow. Mit diesem Wissen um das neue finale Ziel stellten wir fest, dass der eigentlich geplante Tankstellenstop in Altentreptow gar nicht nötig war, denn für den verbleibenden Teil hatten wir beide noch genug Vorräte. Hinter dem Ortsausgang nahmen wir nicht die samstagmorgens doch recht befahrene Straße, sondern einen Weg über einige Dörfer auf zunächst festen Feldwegen oder asphaltierten Nebenstraßen.

Frühnebel im Tollensetal

Auf den letzten Kilometern folgte ein Weg über Felder, der immer wieder schöne Ausblicke in die Ferne und ins Tollensetal bot, dessen wenige Höhenmeter mich aber ganz schön anstrengten. Ich musste mich motivieren, am nächsten Strauch wieder anzulaufen und dann bis zur nächsten Milchkanne oder dem nächsten kleinen Hügel weiterzutraben. Mit anderen Worten: Ich hatte endgültig den Punkt erreicht, wo es mehr um Willenskraft als Kondition ging und der vielleicht besonders wertvolles Training des „wichtigsten Muskels des Ultraläufers“ ermöglichte (der Psyche bzw. des Kopfes). So romantisch sich das anhören mag und so schön auch die Landschaft war, es reichte (mir) mittlerweile. Es war ein schönes Gefühl, den Burgturm von Klempenow, den dort beginnenden Radweg an der Straße, das Hinweisschild auf den Parkplatz und dann selbigen in einem finalen Ritt zu erlaufen. Es reichte aber auch.

Die Bilanz

150 km bedeutet: Mein längstes Lauftraining der Kategorie „selfsupported“! Zuvor bin ich 2021 als Vorbereitung auf die 100 Meilen einen Teil des Mauerwegs abgelaufen, als coronabedingt die „Generalproben“ verschoben wurden. Damals waren es am Samstag rund 72 km von Gesundbrunnen bis Griebnitzsee mit Verpflegung in Supermärkten und am Sonntag weitere 58 km bis Frohnau mit Tankstellen und Imbissen. Vor einem Jahr lief ich rund 75 km von Tessin bei Rostock mit zwei Tankstellenstops nach Greifswald. Sonst spielt sich mein Training überwiegend im Bereich 10-20 km ab, ab und zu streue ich auch mal 30 km ein, sehr selten einen Trainingsmarathon mit Supermarkt. Deshalb überwog die Freude über das Erreichte deutlich die Enttäuschung des Scheiterns.

Von der üblichen großen Erschöpfung und Müdigkeit abgesehen, ging es mir recht gut. Nur ein kleiner Ansatz einer Blase, der schnell wieder weg war. Die Beine waren in der nachfolgenden Woche sehr schwer, aber auch das ist als normal anzusehen. Der Kopf möchte sofort alle möglichen alten und dazu neue Ideen realisiert wissen, war beim Lauf aber auch nicht mehr imstande, den ermüdeten Körper zu überzeugen. Manches hätte sich besser planen lassen, doch im wesentlichen war es gut, „einfach mal zu machen und dann zu schauen“. Das Gefühl, genug Zeit und auch ausreichend Strecke vor sich zu haben, nicht hetzen zu müssen und einfach zu genießen, ist im Training fast noch besser als bei manchem Wettkampf. Die Sicherheit eines Verpflegungspunktes mit warmen Getränken und oft auch Speisen, nachts zumeist auch mit einem warmen Raum, in dem man sich etwas ausruhen kann ohne zu unterkühlen, ist grandios und lässt sich bei eigener Organisation nicht kompensieren. Es stellte sich aber heraus, dass der wichtigste Bedarf unterwegs darin besteht, genug Flüssigkeit zu bekommen. Dabei reicht Wasser erst einmal aus, denn mit etwas Isopulver lässt sich ausreichende Versorgung herstellen. Cola, Tee, Brühe und andere Getränke sind doch eher nice-to-have als unverzichtbar. Vorräte an fester Nahrung kann man so viel mitnehmen, dass es locker 100 km weit reicht. Das hätte ich zuvor nicht gedacht! Darüber hinaus bieten Supermärkte, Tankstellen, Imbisse und dergleichen ein Grundsortiment fester Nahrung an, bei dem auch Problemkinder wie ich nicht verhungern müssen. Sie sind in Deutschland meist recht engmaschig verfügbar, so dass mit etwas Planung und kleinen Umwegen die Versorgung gewährleistet werden kann. Trotzdem sind gerade in der Natur und auf dem Land auftretende „Dunkelflauten“ zu beachten, wenn Läden 20 Uhr schließen und auch Tankstellen nicht rund um die Uhr geöffnet haben. Das soll kein Plädoyer sein, dass überall alles 24/7 geöffnet sein muss, ganz im Gegenteil! Manchmal wünschte ich mir aber, dass es ein Pendant zum Apotheken-Notdienst gibt, also einen Laden, der auch dann verfügbar ist, wenn es sich eigentlich kaum lohnt. Die Kosten müssten irgendwie umgelegt werden. In der Realität gibt es einen Wettbewerb, der oftmals alles gleichmacht: Wenn ein Laden unsinnig lange öffnet, machen das alle, und wenn dann alle geschlossen sind, gibt es keine Ausnahme. Naja, bis in die frühen 90er sah das in Deutschland noch ganz anders aus, da war 18 Uhr meist Feierabend und alle waren daran gewöhnt.

Verbrauchswerte

150 km in 25 h ergibt glatte 6 km/h Durchschnittsgeschwindigkeit. Das ist in Anbetracht der relativ günstigen Bedingungen (flache Strecke, moderate Temperaturen, nur kurze Querfeldein-Passagen) nicht herausragend schnell, doch für einen Selbstversorger-Trainingslauf ganz okay. Im Vergleich dazu sind beipielsweise beim Mauerweglauf die bessere Streckenmarkierung und -beschaffenheit, die permanente Verpflegung, das Gruppengefühl und auch eine längere Radbegleitung wichtige Faktoren, die das Laufen erleichtern können.

Essen und Getränke inklusive Frühstück bei der Bahnanreise (in Klammern: Kohlenhydrat-Anteil):
200 g Bananenchips (130 g KH), 200 g Datteln (120 g), 2 Bananen (50 g), 250 g Baguette (140 g), 2x 40 g Salzstangen (50 g), 300 g Oat bars (160 g), 100 g Riegel (60 g), 2×40 g Erdnussriegel (30 g), 175 g Honigwaffeln (100 g), 2x 65 g Waffeln (80 g), 1x Traubenzucker (10 g), 150 g Isopulver (150 g), 2×0.5 l Cola/Limo (100 g), 0.8 l Tee, 2.75 l Wasser
–> 1180 g Kohlenhydrate
Das entspricht mehr als 20 000 kJ oder 7.5 kg gekochten Kartoffeln!
–> 4.5 l Getränke
Das ist nicht übermäßig viel. Vermutlich hätte ich bei besserer Verfügbarkeit am Nachmittag und Abend mehr getrunken. Im Sommer ist sicherlich deutlich mehr notwendig als Anfang März.

  1. Davids Frau erzählte später, dass ihre Mutter nach Davids erstem Marathon meinte: „Hoffentlich artet das nicht aus“, was damals noch völlig unverstanden blieb. Inzwischen fragt sie sich, ob es eigentlich eine normale Reaktion auf die Planung eines solchen nächtlichen Trainingslaufs durch den Ehemann ist, wenn sie sofort nachdenkt, woher sie einen „Rettungswagen“ nimmt, weil das eigene Auto gerade nicht zur Verfügung steht… ↩︎

100 Meilen zum Jahresziel – Mein Mauerweglauf 2024

Saisonziel 2024

Nun war er endlich da, der Saisonhöhepunkt 2024 mit meinem großen Jahresziel: 100 Meilen innerhalb von 24 Stunden zu finishen und mir einen „Buckle“ zu verdienen, wie für viele Ultraläufer auch für mich ein großer Meilenstein des persönlichen Erfolgs und Fortschritts. Dafür hatte ich ohne Winterpause und in einem Umfang trainiert wie noch nie zuvor, noch deutlich mehr als vor dem ersten Versuch 2021. Damals bekam ich Probleme mit den sommerlichen Bedingungen insbesondere ab Streckenhälfte und konnte das geplante Tempo nicht mehr schaffen. Nach WP3 in Hennigsdorf ging ich längere Strecken, lernte dabei auch Franz kennen und finishte nach knapp 25 h. Dieses Mal sollte das alles etwas besser klappen.

Vorbereitungsläufe

In der diesjährigen Vorbereitung sorgten die Brocken-Challenge (80 km) und der Kristall-Marathon im Februar, der abgebrochene Junut (bis 138 km), der Heidi-Etappenlauf (5x 60 km), der Rennsteiglauf (74 km), der FDZU (115 km) und der Thüringen-Ultra (100 km) für viel Wettkampfgewöhnung und Trainingsmotivation mit recht vielfältigen Anreizen. Insbesondere der Etappenlauf bei teils sehr warmem Wetter und mit diversen Passagen des Mauerwegs diente als mir sowohl als Formtest als auch als intensives Mehrtagestraining und war von der Strecke her eine sehr gute Einstimmung. Noch besser wären zusätzlich die alljährlich angebotenen Testläufe der LG Mauerweg auf der Originalstrecke gewesen, doch leider lagen sie etwas ungünstig für meinen Terminplan. Ergänzt durch die Ultra-Erfahrungen der letzten Jahre fühlte ich mich sehr gut vorbereitet. Die Strecke selbst und das für den Buckle erforderliche Tempo machten mir wenig Sorgen; die entscheidende Frage schien eher, ob ich es kräftemäßig, mental und abhängig von Wetter und potentiellen körperlichen Problemen durchstehen würde, den Laufanteil genügend hoch und den Geh- und Pausenanteil entsprechend gering zu halten, um meine persönliche „Schallmauer“ zu knacken.

Kurzfristige Änderung

Am Wochenende vor dem Lauf wurde es plötzlich noch spannend: Das Start+Zielgelände am Eissportstadion stand (wegen eines Defekts?) von einem Tag auf den nächsten nicht mehr zur Verfügung. Wenn die Veranstaltung nicht ausfallen sollte, musste die Kerntruppe des Organisationsteams instantan einen neuen Ort finden! Dank sehr engagierter Mitarbeiter eines Bezirksamts konnte tatsächlich schnell ein Ersatz sehr nahe am Mauerweg gefunden werden, der im Wedding und somit nur wenige Kilometer vom ursprünglichen Start und Ziel entfernt lag. So weit so gut, doch damit ergab sich der berühmte Rattenschwanz an Folgeproblemen, die angegangen werden mussten: Die VP-Planungen verschoben sich um Stunden. Teils wurden aus kurzen morgendlichen VPs plötzlichen lange Nächte, die mit Schichtpersonal zu versehen waren. Die erstmals angebotene Wanderung würde statt 60 km gut 10 % länger (die Wanderstrecke wurde dann im letzten Teil vom Mauerweg abweichend auf einen direkteren Weg verändert, um halbwegs bei der Länge zu bleiben). Die Tracks mussten aktualisiert und hochgeladen werden, die lokale Umleitung ausgeschildert werden, zusätzliche Verkehrsgenehmigungen waren erforderlich, Busshuttles mussten neu geplant werden. Da die Wechselpunkte (WP) der Zweier- und Vierer-Staffeln an die festen großen VPs mit Dropbags gebunden sind, verschoben sich die zu laufenden Abschnitte erheblich (da das erste kurze Teilstück erheblich kürzer und das längste deutlich länger würde, wurde es den Staffeln letztlich komplett selbst überlassen, an welchem VP sie wechselten).

Volunteersarbeit

Für den Freitag vor dem Lauf hatte ich mich als Helfer für den Start+ Zielbereich angemeldet. Im Vergleich zum Eisstadion waren die Bedingungen deutlich anders und erforderten eine Menge Improvisation. Es gab nicht nur erheblich weniger Platz, sondern auch noch den normalen Betrieb eines lokalen Sportplatzes, der von Freitag bis Sonntag nebenher gewährleistet werden musste: Trainings und Wettkampfspiele, frei zu haltende Bereiche an Umkleiden, Toiletten und Spielflächen. So war spannend zu erleben, wie bei jedem Punkt immer wieder Unwägbares berücksichtigt werden musste. Egal was wo aufgebaut werden sollte, es war nicht die gewohnte Stelle und eine schnelle Alternative konnte vollkommen ungeeignet sein, weil ein kleines Rädchen im großen Getriebe nicht gleich vorhergesehen und einberechnet wurde. Als ich am späten Nachmittag zum Alexanderplatz fuhr um die Startunterlagen abzuholen und Pasta in mich hineinzustopfen (Danke für die schnelle Umbuchung des längst verpassten Timeslots!), hatte ich das Gefühl, das Zielgelände würde zwar nicht herausragend sein, aber die Mindestanforderungen erfüllen. Am nächsten Morgen vor dem Start sah es gleich viel besser aus, weil noch ein paar Anpassungen erfolgten und so viele Leute da und zufrieden waren. Beim Zieleinlauf war es einfach nur großartig!

Letzte Vorbereitungen

Die abendliche Vorbereitung bei meinem Bruder und Radbegleiter verlief fast routiniert; bei unserer Premiere 2021 waren wir deutlich aufgeregter und weniger organisiert. So waren die Fahrradtaschen schnell vorbereitet (dank zuhause gepackter Beutel) und auch die finalen Absprachen bald erledigt. Sogar eine kurze Abkühlung im Pool war noch drin. Mit eingecremten Füßen, abgeklebten Brustwarzen, angerührtem Haferbrei und bereit gelegten Klamotten und einer Schlaftablette im Magen legte ich mich planmäßig gegen zehn ins Bett. Die Nacht war recht gut für eine Nacht vor einem Lauf, das ist ohnehin weniger Schlaf als normal. Am Morgen hatte ich das Glück, dass -nach kurzem Fußweg zum Wachwerden- ein Bus direkt zum Start fuhr. Allerdings habe ich das Gelände erst nicht erkannt und bin eine Station zu weit bis zum S-Bahnhof Wollankstraße gefahren, doch es war noch genug Zeit.

Kleidungswahl

Wegen milder Temperaturen und guter Wetteraussichten trug ich nur das Volunteer-Shirt vom Mauerweglauf 2022, mein Favorit bei warmem Wetter. Dazu kamen Unterhose, Shorts, Zehensocken und Calves sowie anfangs Pulswärmer und Stirnband, später ein Basecap. Telefon mit Geldschein und Notfallausweis (Organspender) hatte ich in der neuen* linken Oberarmtasche, Brille, ein Riegel und den MP3-Spieler mit Kopfhörern in der rechten.

Mein Zeitplan

Mein Zeitplan für ein 24h-Finish war von einem Versuch von Michael Irrgang inspiriert und basierte auf einer reinen Laufgeschwindigkeit, die mit jedem Kilometer etwas abnehmen sollte, beginnend bei 7:00 min/km und endend bei gut einer Minute mehr je Kilometer. Zusätzliche drei Minuten Pause waren für jeden VP eingeplant sowie eine Stunde Puffer für Krisen, stärkere Wettereinflüsse und vermehrte Gehpausen in der finalen Phase. Eine laminierte Tabelle mit den VP-Positionen, deren Namen und Abstände und die jeweils geplanten Ankunftszeiten, der Einfachheit halber gerundet auf Viertelstunden, nahm ich für den ersten Streckenteil in der Hosentasche mit; für den weiteren Verlauf befand sich das entsprechend präparierte Blatt am Fahrradlenker. Ohne Armbanduhr zu laufen empfinde ich immer mehr als angenehmen Luxus. Bei diesem Lauf erfolgte der erste Zeitvergleich planmäßig nach etwa 20 km – mit einer Punktlandung.

Gemütlicher Start

Mit den letzten 20-30 Läufern startend war das geplante Anfangstempo gut umsetzbar, so ergab sich eine Zwischenplatzierung um 300 am ersten VP. Danach ging es bei lockeren Gesprächen langsam voran im Feld. Neben diversen bekannten und unbekannten Läufern war auch einer dabei, der permanent ging. Beim Anblick dieses „Wanderers“ meldete mein Gehirn, dass das Tempo ja wohl kaum hoch sein kann und ich da locker mithalten könnte. Während des sehr interessanten Gesprächs mit dem Ultrahiker Jannik Giesen klarte sich mein Irrtum immer mehr auf und ich liess ihn besser davon ziehen.
(Was Jannik über dutzende Stunden als Tempo zurücklegen kann, ist weit jenseits meines Leistungsbereichs. Er legt typisch 100 Meilen in der Woche zurück und hat beim Laufhaus Backyard im Juli mit 48 h = 322 km den zweiten Platz belegt, was zwei Buckles hintereinander entspricht! Den Mauerweglauf finishte er als Gesamt-Dreißigster in 19:40 h.)

Zwischenhoch

Das Wetter blieb zunächst nahezu perfekt mit sommerlich milden Temperaturen und teils bei leichtem Nieselregen, so das bis zum ersten großen WP in Hennigsdorf bei 29 km für mich alles recht locker lief. Im Vergleich zu meinem Zeitplan baute ich einen 15-minütigen Puffer auf und diesen langsam aus. Den Abschnitt kurz vor Hennigsdorf und bis Nieder Neuendorf hatten wir kürzlich bei der Heidi-Challenge in umgekehrter Richtung. An den Bereich um den Eiskeller habe ich kaum mehr Erinnerungen als jene, dass die ersten Staffeln überholten und die meisten Vierer dort ihre ersten Wechselpunkte hatten. Nicht viel später stiegen auch die Radbegleiter ein und so langsam wurde es sonnenklar und immer wärmer. Die meisten Fahrradbegleiter reisten ja mit S+U-Bahn an, wobei eine Anfahrt ab Bahnhof Spandau nach Westen zum VP 8 „Falkenseer Chaussee“ (47 km) empfohlen wurde. Da ich in dieser noch frühen Rennphase noch keine Probleme und keinen besonderen Betreuungsbedarf erwartete bzw. erhoffte, hatten wir bereits lange im Vorfeld abgemacht, dass mein Bruder von Spandau aus gleich Richtung Süden zum 6.5 km entfernten VP 9 „Karolinenhöhe“ fährt und dort auf mich wartet. Dadurch konnte er sich vormittags etwas mehr Zeit daheim nehmen und war nicht ganz so ewig im Sattel. Das galt nun noch mehr, da sich durch Verschiebung von Start und Ziel eine erheblich längere Begleitstrecke ergab (ca. 107 km). Ein weiterer angenehmer Nebeneffekt war die erheblich einfachere Pärchenfindung auf dem schmalen Weg neben der Kleingartenanlage bei VP 9. Außerdem lenkten die gegenseitige Begrüßung und Berichte über den bisherigen Tagesverlauf vom etwas eintönigen Teilstück entlang der B2 ab. So war der berühmte VP 10 „Pagel & Friends“ (59 km) bald erreicht und das bekannte Highlight. Jeder Läufer wird dort namentlich begrüßt und das Buffet ist herausragend, Sonderwünsche werden erfragt und nach Möglichkeit erfüllt – auch musikalische, glaube ich. Bei dieser Ausgabe kam mir der VP allerdings noch etwas zu früh, um ihn mit längerer Pause angemessen zu würdigen. Etwas Melone, ein paar Salzstangen sowie eine Kartoffel genügten, dann ging es weiter Richtung Altglienicker See mit der etwas anstrengenden Ortsquerung auf dem teils schmalen Fußweg und nach Sacrow über hügelige Abschnitte, die mir -Heidi sei gedankt- noch gut in Erinnerung waren und vielleicht auch daher recht leicht fielen. Am WP 2 (VP 11) beim Schloss Sacrow (66 km) hatte ich wie am WP1 keinen Dropbag hinterlegt, da der Wechsel auf Nachtkleidung und Beleuchtung nach dem aktualisierten Zeitplan erst beim WP 3 in Teltow erfolgen sollte und dank Radbegleitung noch genug Lebensmittelvorräte und notfalls auch Wechselsachen zur Verfügung standen. Deshalb war auch hier nur eine kurze Pause von wenigen Minuten angesagt. Im ursprünglichen Zeitplan war noch vorgesehen, eine Ersatz-Stirnlampe und eine Reflektorweste in die Radtasche zu packen für den Fall, dass WP3 erst nach 21 Uhr erreicht wird.

Hitze und Reibestellen

Ab dem Schlosspark Sacrow geht es bis zur Halbzeit an der Glienicker Brücke etwa 15 km mehr oder weniger am See entlang, obwohl die Luftlinie kaum mehr als einen Kilometer beträgt. Erneut war ich froh, diesen Abschnitt dank Heidi-Challenge gut zu kennen. Es war inzwischen ein schwülwarmer Sommernachmittag und der Schweiß schien besser zu laufen als wir Läufer. Jede Kühlung war willkommen, doch gerade hier folgten einige sonnige Abschnitte. Vereinzelt boten Anwohner ihre Gartenspritze als Duschbrause an. Ich wässerte mein Shirt und zog es wie Halstuch mit freiem Oberkörper oder -besonders schräg- nur über eine Schulter an. Später sollte ich feststellen, dass feuchte Sachen auf salzbeschichteter und empfindlicher Haut besonders gut reiben: Gerötete und wunde Stellen gab es dort, wo das nasse Shirt auflag, wo der laminierte Zeitplan in der Tasche überm Hintern auf meinem unteren Rücken rieb, und wo die Laufhose am Oberschenkel endete. Das alles wurde übertroffen vom linken Oberarm. Es gibt ja heutzutage nichts ohne 20-seitiges Handbuch! Auch eine Oberarmtasche für Handys braucht zwingend so ein Anhängsel, in dem in mehreren Sprachen steht, dass man es nicht bügeln, essen oder heiß waschen soll. Leider hatte ich diese Schnipsel nach dem Kauf am Freitag noch nicht entfernt und durfte im Tagesverlauf erleben, wie gut sich auf verschwitzter Haut erst rote Stellen und dann aufgeriebene Wunden bildeten, die teils unangenehm Flüssigkeit absonderten und heftig schmerzten.

Auf dem Königsweg nach Teltow

Hinter der Glienicker Brücke wartete eine kurzfristig angekündigte Überraschung: Werner Hanke begrüßte uns! Das angebotene Bier musste ich zwar ablehnen, die Limo schmeckte dafür um so besser. An der Brücke war in diesem Jahr die erste Streckenhälfte absolviert und das von mir 30 min früher als nach den im Marschplan ausgewiesenen 11 Stunden. Das zusätzliche Zeitpolster gab mir die beruhigende Gewissheit, dass mein Ziel wirklich zu schaffen sein würde, und reichlich Motivation, mit Ruhe und Optimismus weiter zu laufen. Hinzu kam das Wissen, kurz nach VP 14 „Gedenkstätte Griebnitzsee“ (85 km) auf den langen Königsweg einzubiegen, der sich zwar bis zum VP 15 sehr hinziehen und wie immer überraschend wellig sein würde, aber im Düppeler Forst und damit im Schatten liegt. Die sonnige Hitze sollte damit überwunden sein und damit einer der kritischen Punkte. Natürlich war es noch sehr weit bis zum Ziel und es konnte noch sehr viel passieren. Aber als ich 19 Uhr am WP 3 (VP 15, 98.2 km) in Teltow ankam, war ein wesentlicher Meilenstein erreicht: Nun waren es „nur“ noch etwas über 60 km, die dank bald einsetzender Dunkelheit ohne Hitze zu absolvieren waren und ich hatte für das große Ziel noch fast 11 h Zeit! Das waren 30 min mehr als im Zeitplan, der ja auch noch den einstündigen Puffer hatte. Zum ersten Mal gönnte ich mir eine längere Pause, setzte mich in der Teltower Turnhalle auf eine dicke Matte und ließ mich nach hinten fallen. Es sollte nur ein kleines „Powernapping“ sein, teilte ich meinem Bruder zur Beruhigung mit. Mit den Füßen auf dem Hallenboden schloss ich meine Augen und hörte die aufputschende, laute Musik in der Halle. Als ich nach ein paar Songs wieder die Augen öffnete, meinte mein Bruder, zwischendurch wäre eine junge Frau vorbei gekommen und hätte nach einem Blick auf mich gefragt: „Is he still alive?“ Das war Xuehe Jiang aus Hamburg, die mit mir beim FDZU längere Strecken um Zingst und auf dem Strandabschnitt zusammen gelaufen war. Sie hatte mich bereits erkannt und gegrüßt, als sie an einem VP auf ihren Staffelpartner wartete. In der Halle hatte ich sie bei meiner Ankunft gesehen, aber weil sie offensichtlich gerade gefinished hatte, wollte ich sie erst einmal zu Atem kommen lassen. Nun war sie leider bereits aufgebrochen und auch für mich war es Zeit, wieder auf die Beine zu kommen. Zunächst wollte ich wie üblich mit Essen und gefülltem Trinkbecher in der Hand losgehen und erst dann anlaufen, wenn alles weitgehend vertilgt wäre. Aber etwas war anders: Mir war plötzlich kalt! Der Körper hatte in den rund 20 min Pause seine Dauerleistung weit heruntergefahren und die Außentemperaturen lagen nur noch um 20 Grad. Das stellte sich als zu wenig für meine Sommerbekleidung heraus und es fehlte nicht mehr viel zum Schüttelfrost. Um diesen zu vermeiden, trabte ich los. Innerhalb der wenigen hundert Meter bis zum Marktplatz, an dem die Walker starteten (geniale Idee, das an diesem schönen Platz zu machen und gleichzeitig den Turnhallenbereich nicht zu überlasten!), wurde mir wieder wärmer. So ging es ohne zusätzliche Jacke, die auch gerade nicht verfügbar war, da mein Bruder endlich auch mal eine Pause haben sollte und ich ihn ermuntert hatte, noch ein wenig und möglichst in Ruhe zu essen und erst im Laufe der nächsten Kilometer aufzuschließen.

Ein langes Finale

Der folgende Abschnitt am Berliner Südrand bis Rudow war von der einsetzenden Dunkelheit geprägt. Bei den nun moderaten Temperaturen ging es teils recht angenehm auf wenig anspruchsvollen Postenwegen gut voran, teils gab es aber recht schmale Trampelpfade im Wald. Was oft als Single-Trail romantisiert wird, war für die Fahrradbegleiter eine echte Herausforderung und erschöpfte die Läufer zumindest auch mental ganz erheblich. Spätestens in diesem Bereich wünschte ich mir wieder etwas Musik vom Begleitrad, aber dafür notwendige Ausrüstung hatten wir nicht dabei. Kurzzeitig blieb ich mal an einem (Staffel-?)Läufer dran, dessen Radbegleitung eine musikalische Unterstützung bot. Erinnern kann ich mich nur, dass es zwar überhaupt nicht mein Musikstil war, das jedoch völlig egal und sehr willkommene Abwechslung war. Irgendwann ging es dann in die Stadt und der VP 20 in Rudow war erreicht.

Den nun folgenden, vermeintlich ewig langen Abschnitt neben dem Teltowkanal links und der Autobahn A113 rechts habe ich stets auf meiner Liste besonderer mentaler Herausforderungen. Sicherlich war es auch dieses Mal nicht leicht, aber wir hatten das große Glück, gefühlt immer zusammen mit anderen Läufern zu laufen. Es war keine feste Gruppe, aber stets war jemand in der Nähe, machte mal kürzere oder längere Gehpausen, überholte oder wurde überholt. So war für Abwechslung und Motivation gesorgt, wenngleich die Zeit für tiefschürfende Gespräche längst vorbei war. Nun wollte jeder nur noch ins Ziel kommen. Doch am Dammweg (VP 22), an dem ich vor zwei Jahren selbst die ganze Nacht über stand und dessen Standort wir bei der Heidi-Challenge ebenfalls passierten, war noch immer mehr als ein Halbmarathon zu bewältigen! Zunächst mussten wir durch die Partyzone Neuköllns, von der ich beunruhigende Dinge gehört hatte. Am Ende war es recht harmlos: In der Heidelberger und der Harzer Straße war wenig Party, den langen dunklen Park am Wiesenufer und Schlesischen Busch passierten wir „kontaktfrei“ und auf der Schlesischen Straße lief ich vor meinem Begleitrad auf dem (neuen) breiten Radstreifen und entging so der Party auf dem Bürgersteig. Auch an der morgens um drei Uhr immer noch gut besuchten East Side Gallery war der Radweg die logische Wahl, für meinen Bruder allerdings in der falschen Richtung. Wenig später fragte uns jemand, was wir denn hier machten. Um diese Uhrzeit wird wohl jede Antwort, die eine sportliche Betätigung beinhaltet, als verrückt eingestuft. Ob es sich um „so etwas wie ein Marathon“ handelt wie vermutet oder halt um fast das Vierfache, spielt dabei keine Rolle.
Bei mir stellte sich spätestens am Checkpoint Charlie (VP 24) langsam das Gefühl ein, dass wir nun gleich da sind. Doch es ging ja nicht wie üblich „nur noch“ durchs Regierungsviertel bis zum Erika-Hess-Eisstadion, sondern Straße für Straße weiter und weiter auf einem langen Weg über Gartenstraße und Bernauer Straße hoch Richtung Jahnsportpark, dann über die lange Fußgängerbrücke am Gesundbrunnen und unter der Bornholmer Straße durch, bis wir endlich Richtung S-Bahnhof Wollankstraße schwenken und kurz hinter diesem vom Mauerweg abbiegen konnten zum nun sehr nahen Ziel. Der Zieleinlauf war ein Hochgenuss, mit einer kleinen aber langen Gasse geformt aus Kugelleuchten und dem anschließenden Weg auf dem roten Teppich! Geschafft und superglücklich kam ich mir vor, als würde ich noch total locker sein. Das war sicher nicht der Fall, doch es fühlte sich nicht nach der totalen Erschöpfung an, nach welcher der Körper völlig austicken könnte. Wie sich bereits in den letzten Stunden des Laufs immer mehr abzeichnete, war das selbst gesetzte Ziel mit reichlich Zeitreserve geschafft!

Geschafft!

Wie zu erwarten, strömten trotz des relativ gering gefüllten Zielgeländes sehr viele Eindrücke auf mich ein: Hier das Zelt mit meinem Gepäck, dort etwas zu essen und trinken, dann weitere Mitstreiter der letzten Stunden, die ebenfalls eintrafen. Ich fand kaum Zeit, meinem Bruder zu danken, der inzwischen eine Suppe gegessen und sich auf den Heimweg gemacht hatte. Plötzlich war auch Franz da, den hatte ich beim Einlauf gar nicht bemerkt! Wie viel Glück wir noch mit dem Wetter hatten, stellte sich anhand des nass gewordenen Zielgepäcks heraus, denn am Samstagabend waren im Berliner Nordosten alle von enormen Regenmassen überrascht worden, von denen wir im Süden überhaupt nichts ahnen konnten. Das ging leider viel zu schnell für die Helfer im Zielbereich und so konnten sie hunderte zuvor akkurat angeordneter Beutel nicht mehr rechtzeitig ins Trockene retten. Manch einer musste deshalb mit seinen Laufsachen nach Hause oder ins Hotel fahren, um dort zu duschen und sich mit trockener Kleidung zu versorgen. Vermutlich wird das teils sehr ärgerlich gewesen sein, doch ich hörte definitiv niemanden klagen. Mir selbst kam eine (eigentlich untypisch) sorgfältige Planung zugute, denn ich hatte ja daheim eine Plastiktüte mit dem Zielgepäck gepackt und diese direkt in den vom Veranstalter gestellten Beutel getan. So wurde nur ein Unterhemd nass, das optional als Startkleidung eingeplant war und erst unmittelbar vor dem Start in den Beutel wanderte. Nasse Dropbags und Zielgepäck sind natürlich für einen Veranstalter eigentlich ziemlich peinlich. Doch da möchte ich unbedingt daran erinnern, dass es hier ein Provisorium gab und im vorgesehenen Eisstadion ganz andere Platzverhältnisse zur Verfügung stehen. Trotzdem lautet eine Lektion des Laufs, dass man seine Sachen in Dropbags lieber noch zusätzlich in regendichten Beuteln verstauen sollte (zumindest, wenn die lokalen Begebenheiten nicht genau bekannt sind!). In den Umkleideräumen lagen auf dem Boden einige Läufer in Schlafsäcken, die wohl für diese Nacht kein Hotelzimmer gebucht hatten und nun versuchten, Ruhe und Schlaf zu finden. Die Duschen waren schön warm und es war genügend Platz, so dass wir uns dort umziehen konnten. Auf den ersten Bus musste ich leider einige Zeit warten (wer zu früh ankommt, den bestraft das Leben halt auch manchmal…) und ging noch mehrere Haltestellen weiter, da ja sonst nichts zu tun war. Die S+U-Bahnen fahren am Wochenende zwar auch nicht durch, aber viel länger und haben stets Nachtlinien als Ersatz – insofern ist auch das am Eisstadion wohl eher kein Problem.

Die Siegerehrung am Nachmittag im H4 Hotel war eine schöne Veranstaltung, bei der ich dem wohl etwas überraschten Rainer Eppelmann dankte, dass er 1990 in seiner ersten Amtshandlung als DDR-Verteidigungsminister den Befehl gab, dass nun jeder Zivildienst leisten durfte. Unsere Kompanie war innerhalb drei Wochen nach Bekanntgabe weg ins nützliche Leben.

Fazit

Eine Schlussfolgerung stellte sich im Laufe der nächsten Wochen und Monate ein: Eine solch umfangreiche Vorbereitung wird nicht mehr oft möglich sein. Ich habe mir selbst gezeigt, dass ich es kann, die 100 Meilen innerhalb 24 h zu absolvieren, doch es hat enormen Aufwand gekostet. Zu schnelleren Zeiten ist nicht mehr viel möglich; eine Viertelstunde oder vielleicht ein paar Minuten mehr sind immer drin, doch bei etwas ungünstigeren Rahmenbedingungen bezüglich Wetter, Blasen, Magenproblemen oder dergleichen kann es auch schnell mal eine halbe oder ganze Stunde länger dauern. Deshalb glaube ich aktuell nicht, dass ich mir noch einmal eine solche Zeit vornehmen werde. 2025 steht die Back-to-back-Medaille auf dem Plan, aber dazu muss ich den Mauerweglauf nicht unbedingt in 24 h finishen, wenn der Cutoff bei 30 h liegt. Es ist ein wunderbar organisierter Lauf, ein eher leichterer Hundertmeiler wegen der wenigen Höhenmeter, der vielen Verpflegungspunkte, der hervorragenden Ausschilderung, der vielen Mitläufer, der möglichen Radbegleitung und begeisternder Helfer an der Strecke. Ich hoffe und plane, noch oft Mitte August nach Berlin zu kommen, sei es als Läufer oder als Helfer.

Alles wie am Schnürchen – Rund gelaufen

Werderseelauf 2025 in Bremen eine schöne Angelegenheit

Mitte März habe ich meine persönliche Winterlauf-Serie mit einem guten Gefühl abgeschlossen. Nachdem ich im Januar beim Ufer-Trail nicht optimal vorbereitet und im Februar von den winterlichen Verhältnissen etwas überfordert sehr überschaubare Zeiten über jeweils 51 bzw. 49 km geliefert hatte, reiste ich trotzdem guter Dinge nach Bremen zum Werderseelauf an. Waren doch die Wetteraussichten diesmal sehr gut und die Aussicht auf einen Rundenlauf á 8,33 km mit tatsächlich 3 (!) VPs versprach auch einen entspannten Lauf.

Ich hatte mich im Vorfeld wieder entschlossen, mit dem Zug anzureisen und auch ein Hotel direkt am Bahnhof gebucht. Die besten Voraussetzungen also, ausgeruht am Sonntag den 50 km-Ultra zu bestreiten. Zudem kam, dass ich im Internet ausnahmslos nur sehr gute Feedbacks zu den vergangenen Veranstaltungen des Werderseelaufs gelesen hatte.

Angekommen in Bremen bezog ich gleich das Hotel und machte mich zu Fuß auf den Weg zur ca. 5 km entfernten Startunterlagenausgabe am Wehrschloss. Dachte ich mir doch, dass nach der Zugfahrt es auf jeden Fall gut wäre, sich noch etwas zu bewegen. Ich folgte also meinem Fußgänger-Navi auf dem Handy durch Bremen und lief schnurstracks direkt zum Fußball-Stadion, wo noch die letzten Minuten der Bundesliga-Partei SV Werder Bremen – Borrussia Mönchengladbach gespielt wurden. Ich kam direkt in den Gegenverkehr von Tausender Fussballfans und kämpfte mich gegen den Strom an. Als ich dann im Paulaner am Wehrschloss ankam erhielt ich meine Startunterlagen und hatte danach noch etwas über eine Stunde Zeit zur gebuchten Pasta-Party um 19 Uhr.

Ich nutzte die Zeit, um die Gegend zu erkunden und entdeckte ein wundervolles Naherholungsgebiet direkt hinter dem Wehr.

Es war ein schöner Spaziergang und ich kam pünktlich um 19 Uhr zur Pasta-Party zurück. Dort waren schon Mona und Patrick da und wir teilten unser Läufer-Latein. Die Pasta-Party war abweichend von meinen bisherigen Erfahrunen erfreulich klein und überschaubar. Wir waren insgesamt ca. neun Teilnehmende, die sich für unterschiedliche Distanzen stärkten. Hatten Mona und Patrick vor, am nächsten Tag die 25 km zu laufen, war Patrick hingegen vor seinem ersten Marathon sehr aufgeregt und wir hatten uns alle sehr viel zu erzählen. Frisch gestärkt bewältigte ich auch den Rückweg ins Hotel zu Fuß und hatte keine Probleme damit , frühzeitig in den Schlaf zu kommen.

Am nächsten Morgen sparte ich mir den Fußweg und wählte luxuriös die Anfahrt mit dem Taxi. Ich hatte noch genug Zeit bis zum Start und konnte mich entspannt auf den Lauf einlassen und machte mich mit der Situation und der Umgebung vertraut.

Punkt 08:45 ging es dann für uns Ultras los und ich machte mich mit der ersten Runde vertraut. Durfte ich doch diese nun insgesamt sechs Mal umrunden. Ich hatte mir vorgenommen, die 50 km in etwa 06:30 Stunden zu absolvieren und konnte die ersten vier Runden sogar mit eine Durchschnitts-Pace von knapp unter 7 Minuten pro km halten, was meine Erwartungshaltung deutlich in die Höhe schraubte und ich mit einer Gesamtzeit von unter 6 Stunden liebäugelte. Die 5. Runde holte mich dann aber wieder auf den Boden der Realität und meines Leistungsvermögens zurück. Letztendlich kam ich dann nach 50 km mit einer Zeit von 06:03:47 Stunden stolz wie Bolle ins Ziel.

Insgesamt war der Werderseelauf eine wirklich runde Angelegenheit. Vor allem die Organisation und die sehr gute Betreuung und Versorgung auf der Strecke war außergewöhnlich gut. Ich werde auf jeden Fall wiederkommen.