Brocken-Challenge 2025

Bei meiner Premiere vor einem Jahr erlebte ich eine schöne, aber doch recht frühlingshafte Brocken-Challenge. Angesichts einer Distanz von 80 km und knapp zwei Höhenkilometern war es zweifellos ein fordernder Lauf, doch mit der Idee der besonderen Herausforderung, diesen bei winterlichen Bedingungen zu absolvieren, hatte das nur wenig zu tun. Da gab es reichlich Berichte von vorangegangenen Ausgabe der BC, bei denen Kälte, Wind und Schnee von den Teilnehmern sehr viel mehr forderten. So lautete mein Fazit denn auch, dass ich gern noch einmal wiederkommen und mich an einer Edition testen würde, die nicht primär für Warmduscher gemacht war.

Die erste Bedingung sollte sich mit viel Glück erfüllen: Erneut fiel ein Freilos auf mich in Form eines Startplatzes. Pünktlich zum 1.Dezember kam die SMS „Du bist dabei!“. Nach dem Kobolt Ende November 2024 hatte ich leichte Hüftprobleme und machte einige Wochen Winterpause, bevor ab Mitte Dezember ganz sanft und nach Weihnachten deutlich ernsthafter der Einstieg ins neue Trainingsjahr begann. Das lag zum einen am Saisonhöhepunkt zu Pfingsten, bis zu dem ich meine Form aufgebaut haben wollte, zum anderen natürlich auch an der BC. Immerhin rund 500 km kamen zwischen Weihnachten und dem Start Mitte Februar zusammen, wobei nur eine Handvoll Läufe über 20 km hinaus gingen. Die Form war bedingt durch den frühen Saisonzeitpunkt nicht überragend, aber doch so gut, dass ich recht zuversichtlich starten konnte, keine Konditionsprobleme zu bekommen.

Die Wetterprognosen waren wunderbar: Winterwetter, leichte Minusgrade, Schnee gleich zu Beginn bei Göttingen und auch auf dem größten Teil der Strecke. Am Start drängten viele ans Feuer, um sich noch etwas aufzuwärmen, manche saßen aber auch in Wohnmobilen und warteten dort auf den Start. Der Gedanke, bei äußeren Minusgraden im Wohnwobil zu übernachten, ist für mich eher furchteinflössend. Wie immer waren die Stirnlampen nur für den ersten Waldabschnitt erforderlich und konnten bereits nach etwa 6-8 km ausgeschaltet werden. Es war kalt, aber nicht so sehr, dass das Atmen beim Laufen unangenehm war. Der Untergrund war teils etwas schneebedeckt, auf den Straßen gab es oft ein Wechselspiel von vereisten und freien Bereichen. Wir mussten etwas vorsichtig sein, um nicht auszurutschen, aber es war auch keine große technische Herausforderung. Die erste Hälfte der Brockenchallenge verläuft ja eher wellig durch den Vorharz, von Profil und Streckenlänge vielleicht am ehesten vergleichbar mit dem Rennsteig-Marathon.

Danach, also ab dem VP in Barbis, lag eine durchgehende Schneedecke und ich zog deshalb meine Spikes auf die Schuhe. Es geht zunächst steil nach oben zur Wasserscheide und dann in einem leichten, aber mehrere Kilometer langen Anstieg durch ein Tal hinauf zum nächsten VP, der mit dem Auto nicht erreicht und daher nur dank Pferde(schlitte)n betrieben werden kann. Wie bereits im letzten Jahr konnte ich diesen als „Entsafter I“ bezeichneten Abschnitt weitgehend laufend bewältigen, was sich positiv auf Laufzeit und Stimmung auswirkte. Im nachfolgenden „Entsafter II“ hätte ich mich beinahe verlaufen, fand den Weg aber dann doch korrekt und konnte auch eine zunehmende Schneedecke genießen, die bald mehr als knöchelhoch war. Das stimmt mich sehr zufrieden, denn diese winterlichen Bedingungen hatte ich mir ja gewünscht. Sie waren aber nicht extrem, eher moderat. Umwege aufgrund rutschiger Hänge waren nicht erforderlich, gespurte Bereiche, bei denen man auf gar keinen Fall auf die Loipen treten darf, gab es erst im Oberharz. Erneut waren die Angebote an den VPs ungewöhnlich lecker, insbesondere die veganen Kekse und Kuchen am letzten VP sind mir in Erinnerung geblieben. Erneut hatte ich das Glück, einer dampflokbetriebenen Brockenbahn zu begegnen – mit viel Schnee sieht das nochmal besser aus! Auch die kahlen Berghänge werden durch Schneebedeckung etwas erträglicher. Die allerletzte Kilometer auf der steilen Straße waren hart, insbesondere wegen des starken Windes, doch bald waren die Willkommensglocken auf dem Gipfel zu hören und dann, bei wenigen Metern Abstand, auch die freundlichen Helfer, die alle Läufer begrüßten. Die Stimmung im Goethesaal war großartig, die Wartezeit auf eine Dusche sehr erträglich, das heiße Wasser tat sehr gut und das Buffet war grandios. Dazu etwas Gesellschaft durch diverse alte und neue Bekannte und es ging mir wunderbar. Vor dem Abstieg zum Busparkplatz musste ich mir sehr viel anziehen, aber ich fror nur auf den ersten paar hundert Metern, dann war es erträglich. In der Hütte war gute Stimmung, trotz etwas unklarer Wartezeit auf die Busse, die nicht ganz so weit herangefahren waren wie im letzten Jahr.

Ein schöner Einstieg ins Laufjahr 2025!