Mein Mauerweglauf 2025 – stressfrei und schön

Im letzten Jahr war der Mauerweglauf mein Hauptwettkampf und das ganze Jahr darauf ausgelegt, unter 24 h zu finishen und mir einen Buckle zu verdienen. Das hat letztlich auch geklappt, aber mit enormem Aufwand. So lautete mein Fazit, dass ich mir diesen Stress (vorerst) nicht noch einmal antun wolle. Das bedeutet nicht, die 100 Meilen vom Speiseplan zu streichen, sondern eher beim nächsten Mal keinen erhöhten Anspruch an die Zeit zu stellen und mehr entspannt zu laufen. Dieser Punkt gelang.

2025 enthält einige Zweien und Fünfen und diese Ziffern spielten auch eine wichtige Rolle bei meinen Jahreszielen:

– Es sollte erstmals über 2xx km gehen. Dafür gab es zwei Chancen: Junut und Heidi.
Beim JUNUT hatte ich mich wie in den letzten beiden Jahren für die 170er Strecke angemeldet, bei der als letztmalig angekündigten Ausgabe aber insgeheim mit einem dort nach 170 km möglichen Upgrade auf die ganze Runde von 240 km geliebäugelt. Letztlich führten muskuläre Probleme am letzten Wochenende vor dem Lauf dazu, dass nicht klar war, ob ich überhaupt starten und mehr als einige Stunden würde laufen können. (Ziehen in der linken Wade; der Arzt hat drauf geschaut und abgetastet, konnte aber auch per Ultraschall nix finden. Beim Gehen merke ich es aber noch deutlich.) Es lief zwar sehr gut, doch sicherheitshalber beschloss ich bereits in Schmidtmühlen nach 138 km, dass es keinesfalls weiter als bis zum 170er Ziel in Kastl gehen soll. Das habe ich recht gut hinbekommen (33 h waren rund 3 h weniger als 2023).
Die zweite Chance und mein eigentliches Jahreszeil war die Heidi, genauer gesagt die Heidi 222 durch die Lüneburger Heide auf dem Heidschnuckenweg von Celle nach Hamburg zu Pfingsten. Es war ein hartes Stück Arbeit, doch ein lohnendes, denn nach 40 sehr regenreichen Stunden habe ich es geschafft!
– Die zweite Heidi war der von Thomas Steinicke organisierte Etappenlauf Heidi-Challenge. Nach der sommerlich heißen Frühjahrsedition 2024 war die 2.Ausgabe über 5 Tage die sommerlich heiße Sommeredition. Nun sind alle gespannt auf einen heißen Herbst 2026!

Nun aber zum Mauerweglauf! Wie letztes Jahr habe ich am Freitag bei den Vorbereitungen am Stadion mitgeholfen. Da das Eisstadion noch immer nicht genutzt werden konnte, ging es 2025 wieder in den traditionellen Jahn-Sportpark im Prenzlauer Berg. Das ist nicht so eng und „kuschelig“ wie letztes Jahr, aber die Abläufe waren klarer und so war der Aufbau früher erledigt. Leider waren die S-Bahn-Haltstellen Schönhauser Allee und südlich davon wegen Bauarbeiten nicht verfügbar und es musste Ersatzverkehr genutzt werden. Gerade in diesem Jahr übernachtete ich aber am Treptower Park (also südlich), was die eigentlich sehr kurze morgendliche Anreise deutlich verlängerte. Naja, so gab es eben mehr Zeit zum Essen und Umziehen unterwegs zum Stadion!

Beim Start hielt ich mich mich bewusst zurück und schaute im hinteren Bereich nach bekannten Gesichtern. David, der seine Mauerwegspremiere unter 24 h finishen wollte, liess ich gleich ziehen, denn dieses Tempo sollte ja mein Massstab nicht sein. Zum Glück traf ich Maksim, mit dem ich bereits Pfingsten über 100 km durch die Lüneburger Heide unterwegs war. Er wollte auch hier wieder sein Run+Walk-Programm durchziehen. So liefen wir stets einige Kilometer und marschierten dann einige Zeit – den genauen Rhythmus habe ich vergessen, aber es ist eher die Idee, die entscheidet, das Tempo und die Relation müssen individuell angepasst werden. Mir passte es hervorragend, auch wenn wir durch die Gehpausen sehr weit hinten im Feld lagen. So kamen wir in bester Unterhaltung durch die Innenstadt, entlang der East Side Gallery und durch Treptow/Kreuzberg bis an den endlos langen Bereich zwischen Autobahn und Teltowkanal. Maksim hatte ein paar Probleme und wollte erst einmal nur noch gehen. Darauf verabschiedeten wir uns voneinander und ich trabte langsam weiter. Maksim finishte übrigens dann noch in hervorragenden 25.5 h.

Nunmehr war ich etwas schneller als die Läufer in meiner Nähe und fand mich quasi auf der Überholspur wieder. Das machte ebenfalls viel Spass, denn ich traf so einige Bekannte und lernte noch mehr interessante Läufer kennen. So auch David, was mich zu diesem Zeitpunkt etwas besorgte, denn er wollte doch unter 24 h bleiben und ich sah das für mein aktuelles Tempo nicht als realistisch an. Später traf ich unter anderem die Vielläufer Thomas und Ilka bei ihrer entspannten Runde, die mir vom FDZU und der Heidi222 bekannte Xuehe, die am Ende ebenfalls locker finishte.

Nach einigen VPs bemerkte ich ein unangenehmes Hungergefühl: Zu wenig gegessen, immer nur ein paar kleine Happen, das reicht meinem verwöhnten Magen nicht! Bei Ninas Eltern (48 km) mampfte ich mich erst einmal kräftig durch das hier traditionell unglaublich reichhaltige Buffett, bis der Bauch so voll war, dass mir das weitere Laufen fast noch schwerer fiel als dem pflastersteinbeschwerten Wolf bei Rotkäppchen… Nach ein paar Kilometern war aber alles wieder gut. Puh!

Heute wartete in Teltow (61 km) noch keine Fahrradbegleitung auf mich. Franz hatte sich dafür angeboten, musste aber erst einmal wie eigentlich jeden Samstagmorgen mit seiner Laufgruppe arbeiten und würde deshalb erst später dazustoßen. Einen Dropbag hatte ich auch nicht hinterlegt und keine längere Pause geplant, denn noch war ja erst ein gutes Drittel der Strecke bewältigt. Die Königsallee zog sich dahin wie immer, bot aber auch guten Schatten gegen die Sonne und etwas Kühlung. Eigentlich habe ich keine unangenehmen Erinnerungen an die gesamten Abschnitte nach Potsdam und um den Jungfernsee bis nach Sacrow. Im Gegenteil, immer wieder fand sich nette Begleitung, oft auch bereits bekannte. Durch die abwechslungsreichen Gespräche merkte ich teilweise gar nicht, wo wir bereits waren und welche Bereiche wir schon hinter uns gelassen hatten. Irgendwann waren wir bei der Revierförsterei Krampnitz (86 km) angekommen und ich war überrascht, weil ich dachte, da fehlte noch der kurze steile Anstieg ein paar km davor. In Sacrow (92 km) lieferte ein Dropbag die Nachtausrüstung, im wesentlichen bestehend aus Warnweste, Stirnlampe, Windjacke.

Kurz hinter Sacrow sah ich einen Läufer an einer Bushaltestelle einen der Papierkörbe fotografieren. Okay, dachte ich, manchmal haben die Marketingleute der Berliner Stadtreinigung mehr oder weniger lustige Sprüche aufgeklebt wie „Eine von unseren 34267 Filialen“. Doch nichts davon war zu sehen, scheinbar nur ein ganz normaler oranger Behälter. Meine Neugier wurde gestillt: Es handelte sich um einen finnischen Läufer (Esa Nurkka), der berichtete, vor dem Abflug nach Deutschland noch eine Dose „Blue berry soup“ eingekauft und hier im Dropbag für den WP Sacrow deponiert zu haben. Diese hatte er gerade getrunken und wollte die leere Dose in den nächsten Abfallbehälter tun. Dabei bemerkte er eine weitere leere Dose exakt der selben, eigentlich recht lokalen finnischen Marke, die bereits in genau diesem Behälter lag! Mehr Slapstick geht kaum und er muss sich vorgekommen sein wie bei „Verstehen Sie Spaß?“. Die einzige halbwegs logische Erklärung wäre ein anderer Finne, der zufällig die gleiche Marke gekauft und ebenfalls in den Dropbag gepackt sowie während der ersten Kilometer nach dem WP geleert hätte. Er meinte dazu allerdings, dass er zuvor geschaut hätte und weniger als eine Handvoll Finnen überhaupt beim Mauerweglauf in der Startliste standen! Ich konnte dank Franz immerhin noch besteuern, dass auch Sari dabei sei und an der 100km-Wanderung teilnehmen würde, die morgens in Teltow gestartet war und damit schon in Sacrow durch war. Natürlich kannte er ebenfalls Sari!
Um es vorweg zu nehmen, die merkwürdige Geschichte ging noch etwas weiter. Im Ziel hörte ich irgendwann den Stadionsprecher feststellen, dass jetzt zwei Finnen direkt nacheinander gefinisht hätten. Später traf ich Esa noch einmal kurz und er berichtete mir, dass er zwar einer der beiden Finisher war, den anderen allerdings erst im Ziel, aber nicht auf der Strecke getroffen hätte. Sie hatten wohl zunächst einen großen Abstand, der sich bis zum Ziel auf wenige Minuten reduzierte, doch sie waren kein Stück des Wegs zusammen gelaufen! Nun blieb noch die Blaubeerfrage, und tatsächlich war der andere Läufer auch der Besitzer des fraglichen Leerguts. Manchmal stimmt es wohl tatsächlich, dass das Leben sehr merkwürdige Geschichten schreibt…

Wenige Kilometer nach Sacrow und seiner berühmten Bushaltestelle wartete Franz auf mich, als wir von der Straße Richtung Altglienicker See abbogen. Franz‘ Fahrradbegleitung war ein großer Gewinn, nicht nur weil ich ein paar Sachen wie Jacke und Trinkflasche in seinem Fahrradkorb lagern konnte, sondern vor allem als erfahrene Unterstützung und gute Unterhaltung. Bei Pagels und Friends (100 km) hab ich nicht lange pausiert, obwohl es wie immer sehr einladend war, dort eine längere Rast zu halten. Es ist wie „Nach-Hause-Kommen“, einfach eine unglaublich tolle Stimmung dort. Dank der neuen Unterstützung von Franz war auch die nachfolgende, herausfordernd lange Passage an der Bundesstraße halb so schlimm wie befürchtet. Dann folgte der VP an der Kleingartenanlage vor dem Hahnenberg in Spandau (105 km), an dem letztes Jahr mein Bruder seine Radbegleitung startete, sowie das längere Stück durch die Stadt. Hier stieß Jan zu uns, der uns laufend begleiten wollte. Das war Neuland für mich, denn bisher kannte ich nur eine Fahrradbegleitung und war einigermaßen daran gewöhnt, dem Radfahrer mein eigenes Tempo zu diktieren bzw. mich nicht von ein paar schnelleren oder langsameren Metern beeinflussen zu lassen. Die Begleitung durch einen noch frischen Läufer nach bereits hundert zurückgelegten Kilometern stellte sich als deutlich schwieriger heraus als zuvor erwartet. Natürlich habe ich sehr davon profitiert und wir hatten eine wunderbare Zeit. Ein wenig Lehrgeld zollte ich anfangs aber doch, bis wir alle uns aneinander und an die ständige leichte Variation unserer Abstände gewöhnt hatten. Man kennt das von gemeinsamen (Trainings-)Läufen, wenn einer stets ein paar Zentimeter weiter vor oder hinter den anderen läuft. Man darf nicht genauso sein, sonst gerät es leicht zum Wettbewerb um das schnellste (oder langsamste) Tempo und das eigentliche Laufziel gerät aus dem Fokus.

Mit Jan und Franz fühlte ich mich eigentlich wunderbar und rundum betreut, doch hinter Spandau bekam ich doch einige Probleme mit der Strecke selbst. Wegen eines Frühjahrssturms 2025 konnte der Spandauer (Nordwestberliner) Forst bereits beim Mondscheinmarathon von Franz und bei der letzten Etappe des Heidi-Etappenlaufs nicht genutzt werden und auch beim Mauerwegslauf waren einige Wege noch immer gesperrt, so dass es rund um den Eiskeller eine größere Umleitung gab. Die führte nicht nur durch mir unbekanntes Terrain, sondern auch entlang einer längeren Bahnstrecke und an einer Landstraße zum VP Schönwalde (120 km). Hier war eine unangenehme Pendelstrecke mit schmalem Fußweg bei doch recht starkem Straßenverkehr. Gerade bei Begegnungen mit entgegen kommenden Läufer(gruppe)n oder Ästen auf dem Weg wäre eigentlich ein Ausweichen auf die Straße indiziert gewesen, doch mit der Begleitung und bei der mittlerweile müdigkeitsbedingt verringerten Aufmerksamkeit sowie dem Verkehr war das keine sonderlich gute Wahl. Ich war sehr froh, als dieser Abschnitt endlich geschafft war und wir irgendwann den Grenzturm Nieder Neuendorf erreicht hatten (125 km). Der nachfolgende Bereich nach Hennigsdorf mit seinem Waggonbauwerk ist mir dank Mauerweg und Heidi mittlerweile sehr wohl bekannt, auch wenn er sich zu diesem Zeitpunkt des Laufs etwas kaugummiartig dahin zog. Beim Ruderclub Oberhavel (130 km) machte ich dann die erste und einzige längere Pause, aß und trank, übernahm mein nächstes Dropbag mit ein paar zusätzlichen Riegeln und wärmenden Sachen – und ruhte mich einige Minuten aus. Wie lang das wirklich war, kann ich nicht mehr sagen, aber nach dem bisher langsamsten Abschnitt zwischen Schönwalde und Nieder Neuendorf mit 9:30 min/km war der Teil nach Hennigsdorf mit offiziell etwas über 10 min/km noch langsamer und das hat wohl eher mit der Pause als mit dem Lauftempo selbst zu tun. Für den Rest des Laufs lagen die aktuellen Geschwindkeiten dannn wieder um die 9 min/km (inkl. Pausen). Das wiederum hatte auch mit einer langsam veränderten Zielstellung zu tun. Nachdem doch recht gemächlichen Start und einem relativ entspannten Mittelteil hatte sich bereits seit dem Beginn von Franz‘ Begleitung am Horizont ein mögliches Finish unter 24 h abgezeichnet. Zunächst konnten wir das sehr gut ignorieren, denn das war ja einerseits kein irgendwie geplantes Ziel und andererseits noch so weit, dass nachlassende Kräfte schnell mal eine halbe Stunde kosten könnten. Doch als im Berliner Norden die letzten 30 km und dann Halbmararathon erreicht waren, wurde es akut: Wollen wir weiterhin entspannt und ohne uns auf mögliche Endzeiten auszurichten laufen und pausieren, dabei „riskierend“, dass es im Ziel vielleicht knapp über 24 Stunden sein werden? Oder wollen wir über die wenigen verbleibenden Stunden hinweg ständig darauf achten, dass kontinuierlich weiter gelaufen wird und Gehabschnitte und VP-Pausen nicht zu lang werden, dabei Stress, tiefere Erschöpfung und vielleicht Frust über ein Ende der Kräfte riskierend?

So lange ich mich noch gut fühlte, versuchte ich zu traben, wann immer es ging. Die wenigen kurzen Anstiege und die VPs wurden für Gehpausen genutzt, die sich glücklicherweise ganz gut begrenzen liessen. Eigentlich brauchte ich an den VPs nicht wirklich anzuhalten, denn Franz und Jan versorgten mich perfekt, stets war noch eine Banane und etwas Getränk im Korb verfügbar. Überraschend für mich war eher die lichttechnische Versorgung, hatte Jans Lampe doch erheblich mehr Lichtstärke als meine in der Standardeinstellung. Obwohl ich bisher immer der Meinung war, dass gerade auf dem Mauerweg sehr wenig eigene Beleuchtung notwendig ist, stellte sich heraus, dass eine gute Streckenausleuchtung durchaus positive Auswirkungen auf Stimmung und Laufvermögen haben kann. Spätestens als ich in Lübars auf dem asphaltierten Weg an einer der vielen, durch Baumwurzeln verursachten, Bodenwellen so stark ins Straucheln kam, dass ich mich mit Mühe nach über zehn Metern wieder halbwegs auffing und verschreckt so langsam wieder in eine normale Laufbewegung kam, war ich über etwas mehr Beleuchtung recht froh (~147 km). Andere hatten es deutlich schwerer. Alina, mit der wir dort zusammen liefen, fiel ihre Lampe aus. Sie hatte wohl die Lebensdauer der Batterie überschätzt und fürchtete nun weniger die restliche Dunkelheit selbst als vielmehr eine offizielle Kontrolle, da ja Eigenbeleuchtung vorgeschrieben ist. Zum Glück konnte Jan hier als „Ritter in leuchtender Gestalt“ einspringen und sie begleiten. David blieb ebenfalls an so einer Bodenwelle hängen und stürzte. Er lief mit blutigem Knie ins Ziel, war aber wahrscheinlich zu diesem Zeitpunkt schon längst im Tunnel der Läuferfokussierung, denn seit dem letzten Wechselpunkt in Hennigsdorf wurde er von seiner Frau auf dem Fahrrad begleitet und lief schneller und immer schneller. Den letzten Halbmarathon absolvierte er sogar in 7er Zeiten (7:xx min/km). Er hatte sich seine Kräfte offensichtlich mal wieder hervorragend eingeteilt und war nun supermotiviert, ob dank Frau oder dank Aussicht auf das Finish unter 24 h? Schwer zu sagen, am Ende „fehlte“ nur ein kurzes Stück, ein zusätzlicher VP vielleicht, und wir hätten zusammen finishen können, zumindest wenn ich nicht hätte in seinem Tempo laufen müssen, denn das ging bei mir nicht mehr. Ich war auch so zufrieden, denn letztlich hatte sich die Mühe am Ende gelohnt und der Buckle war uns beiden sicher.

Mittlere Geschwindigkeit über gesamten Lauf und aktuelles Tempo zwischen den jeweiligen VPs (ohne Abzug der Pausen) beim Mauerweglauf 2025 für David und mich.

Im Ziel wurden wir unter anderem von Sascha von der LG Mauerweg begrüßt. Er war bereits in Volonteersdiensten und sah schon wieder so erholt aus, als wäre er an diesem Tag gar nicht gelaufen. Das stimmte natürlich auch, denn sein Zieleinlauf als Achter war am Samstagabend gegen zehn, mit einer Zeit unter 16 h. Der Sieger, Pascal Rüeger, lief sogar noch fast dreieinhalb Stunden schneller und stellte in 12:37:14 h einen neuen Streckenrekord auf, und das mit Ansage! Vor dem Lauf hatte er sich bei den Organisatoren bereits zu den VP-Öffnungszeiten erkundigt – verbunden mit der Frage, was passieren würde, wenn er schneller wäre. Wenn ich es korrekt verstanden habe, gibt es solche Nachfragen wohl schon so ab und zu, doch das jemand das dann auch läuferisch umsetzet, passiert halt eher nicht.

Die Mehrheit der Finisher schaffte die 100 Meilen unter 24 h.

Nach dem Zieleinlauf ging es mir recht gut. Das Finisher-Shirt gab es direkt nach dem Einlauf, Dropbags und Suppe noch auf der Bahn, die Umkleiden mit Duschen waren hervorragend. Als ich mich noch einmal auf die Bänke am Ziel setzte und etwas aß und trank, hörte ich noch jemand von den schnellen Hirschen mit Sascha reden, wobei das Wort Rostock vorkam. Es stellte sich heraus, dass derjenige nicht nur aus Rostock kam und auch dort Anfang August den Abendmarathon gelaufen war, bei dem auch Sascha dabei war (und als Gesamtvierter finishte), sondern dass es genau der Louis war, mit dem ich dort auf den letzten Kilometern zusammen gelaufen war. Small world! Kurz danach traf ich dann übrigens die beiden Finnen wieder…

Was könnte als Fazit bleiben?
Auf jeden Fall macht es mir unglaublich viel Spaß, entspannt zu laufen, ohne auf mögliche Endzeiten zu achten. Insbesondere aufgrund des sehr moderaten Anfangstempos war es der bisher gleichmäßigste der drei Hundertmeiler in Berlin, wie auch die beigefügte Darstellung belegen soll. Diesen Lauf würde ich mir gern zur Blaupause für zukünftige Läufe machen – weniger die konkrete Geschwindigkeit als das wunderbare Gefühl, immer noch ein bisschen Reserve zu haben, am Ende aber auch nicht komplett unter den eigenen Möglichkeiten geblieben zu sein. Es muss nicht immer Kaviar sein, man kann auch mit Champagner glücklich sein. Oder so ähnlich, denn Kaviar war bisher nur einmal so richtig gut, nämlich zusammen mit Blinis auf der Datscha bei unseren Tomsker Freunden, und ohne Alkohol kann ich nunmehr schon seit zwei Jahren sehr gut leben.
Der Mauerweglauf ist und bleibt für mich einer der schönsten Ultras in Deutschland, bei dem dabei zu sein ich auch in den nächsten Jahren stets versuchen möchte, egal ob als Einzel- oder vielleicht auch mal Staffelläufer oder als Helfer. Die tollen Organisatoren sind es unbedingt wert, unterstützt zu werden! Ähnlich dem Rennsteiglauf und dem FDZU werden die 100 Meilen von Berlin immer mehr zu meiner läuferischen Heimat.