Heidi-Challenge – Sommer-Edition 2025

Die Heidi-Challenge als fünftägiger Etappenlauf rund um Potsdam und Berlin soll nach ihrer Premiere 2024 jährlich quer durch alle Jahreszeiten stattfinden.
In diesem Jahr lag die Heidi-Challenge im Juni und damit nach meinem Saisonhöhepunkt zu Pfingsten. Daher war der Etappenlauf nicht primär als intensives Trainingslager geplant. Ich wollte die schönen Laufstrecken und das gemeinsame Erlebnis mit den anderen Läufern genießen, vielleicht auch mal eine schnellere Etappe einlegen und in Hinsicht auf den Mauerweglauf die Form beibehalten. Soweit der Plan, doch es sollte ganz anders kommen.

Begleiten

Als Franz beim FDZU im Juni 2025 erfolgreich 100 km lief, begleitete ich ihn ein Stück per Fahrrad. Das war eine spannende neue Erfahrung, anstrengender und weniger langweilig als zuvor erwartet. Damit das Ganze abseits von der Unterhaltung und verbaler Ermutigung noch etwas zusätzlichen Mehrwert bietet, hatte ich Franz‘ Laufrucksack in den Fahrradtaschen verstaut und sorgte auf Anforderung für Nachschub insbesondere an Getränken aus seinen Trinkflaschen. Außerdem hatte ich selbst ein wenig Essen von zuhause und eine Wasserflasche vom Barther Doppel-VP (28 & 40 km) mitgenommen. Das erwies sich bei der Meiningen-Brücke zum Zingst als überraschend weitsichtig, denn der früher dort befindliche und noch immer offiziell angekündigte private Getränke-VP fiel leider zum zweiten Mal in Folge aus. Nicht alle Läufer hatten sich darauf eingerichtet und so konnte ich ein paar Getränkeflaschen der in Franz‘ Nähe befindlichen Läufer nachfüllen. Obwohl der nächste VP am Zingster Hafen wieder exzellent ausgestattet war, nahm ich noch ein paar spezielle Wünsche auf und fuhr in den lokalen Edeka, um Wassereis, Fruchtsaft und Bier zu kaufen.

Crashen

Einen Marathon später wollte ich das wiederholen und im Ahrenshooper Edeka einkaufen, dafür gab es erneut eine lange Liste der Läufer in unserer Nähe, hauptsächlich Bier und Eis. Um rechtzeitig am nächsten VP im Hafen Althagen zu sein, fuhr ich zügig voran auf dem Weg zwischen Born und Ahrenshoop. Leider etwas zu schnell, denn an einer Abzweigung kriegte ich die Kurve nicht, versteuerte mich und stürzte mit meinem Fahrrad. Der Flug über den Lenker war kurz, der Schmerz dafür heftig. Zum Glück konnte ich nach einigen Minuten aufstehen, meine Sachen zusammensuchen und sogar weiterfahren. Am VP Althagen waren noch die freundlichen Helfer vom DRK, die den ganzen Tag mit ihrem Quad im Läuferfeld hin und her fuhren. Nun hatten sie den Einsatz des Tages! Meine blutigen Hände und Knie (jeweils beidseitig!) und der rechte Ellenbogen wurden gereinigt, desinfiziert (was für ein Vergnügen!) und in Verbände gewickelt. Als Franz und die anderen Läufer in seiner Nähe kurze Zeit später eintrafen, bekamen sie trotzdem eisgekühlte Melone, Bier und Radler, denn Anne hatte das alles an ihrem VP sowieso in Thermobehältern mit Eiswürfeln…

Leiden

Franz konnte ich dann noch auf den nächsten Kilometern bis zur Seebrücke in Wustrow begleiten, dann für ich nach Hause. Abends merkte ich bereits stechende Schmerzen am rechten Unterarm bei bestimmten schnellen Bewegungen, die zum Glück am nächsten Tag deutlich weniger zu sein schienen. Allerdings wurde das über die nächsten zwei Wochen nicht wirklich besser – ich musste zur Ärztin. Diese hatte offensichtlich bei meiner ungelenken Erklärung schon einen Verdacht, der sich beim geschulten Griff verstärkte (Ja, genau dort tut es weh!) und mittels Röntgen + CT bestätigte: Radiale Fraktur, Ruhigstellung mit Gips!

Zwei Tage später wollte ich eigentlich zur Heidi aufbrechen. Aber was kann man denn bei einem Etappenlauf mit Gipsarm tun? Die Erschütterungen würden vermutlich nicht schaden, gegen ein schnelles Wandern sollte also nichts einzuwenden sein. Aber würde Thomas als Veranstalter das akzeptieren oder irgendein Risiko sehen, das gegen meinen Start spricht?

Wandern

Thomas hatte nichts auszusetzen an meinen Plänen, fand es wohl eher großartig, dass ich trotzdem dabei sein wollte. Natürlich war ich selbst mit Frühstart und schnellen Wanderschritt immer noch sehr viel langsamer als die anderen Teilnehmer. Das machte mir zunächst ein schlechtes Gewissen, doch bei der ersten Etappe am Samstag zeigte sich bereits, dass meine Extrawurst nicht so groß sein würde bzw. die VPs wegen mir kaum länger geöffnet sein müssten als für die anderen Teilnehmer ohnehin erforderlich. So hatte ich eine wunderbare Wanderung um die südlich von Potsdam gelegenen Havelseen. Ein Läufer nach dem anderen besuchte mich, fast immer fand sich Zeit für ein paar Worte, so dass ich neben dem MP3-Player immer wieder zusätzliche Ablenkung hatte. Ein Stück vor Potsdam stand sogar Werner an der Strecke und verteilte Bier und Brause – vielen Dank nochmals! Auf dem letzten Teilstück, einer Schleife in Potsdam über Glienicker Brücke und Schloss Babelsberg, versuchte ich mich sogar an ein paar Ultraschlapp-Schritten und hatte nochmals kurze Begleitung, ebenso direkt beim Zieleinlauf durch einen weiteren Läufer, der schmerzverzerrt kaum noch gehen konnte (sich aber in den nächsten Tagen wieder fantastisch erholen sollte!).

Baden

Nachdem es bei der „Frühjahrsedition“ Ende April/Anfang Mai 2024 bereits sehr heiß war, steigerte sich dies in der „Sommeredition“ 2025 nochmals:
Sommerliche Temperaturen von mindestens 20°C beim morgendlichen Start und an den drei ersten Tagen im Maximum bis 26-28°C waren noch fast erträglich, aber am letzten Tag waren bereits kurz nach dem Start 30°C erreicht und die höchsten Werte sollten nachmittags um die 36-37°C liegen. Wenn dazu noch sonnige Abschnitte kommen und kaum ein Wind weht, wird es richtig heftig!
Beim Briefing hatte uns Thomas sowohl auf das sehr sommerliche Wetter als auch die vielen schönen Bademöglichkeiten überall an der Strecke hingewiesen. Tatsächlich führen die Etappen ja zu einem unglaublich hohen Teil an Gewässern entlang (geschätzt 80-90 %), von denen es sowohl rund um Potsdam, als auch Berlin eine Menge gibt: Havelseen (Templiner, Schwielow, Glindower, Heiliger, Tiefer See, Jungfernsee, Krampnitzsee, Lehnitzsee, Wannsee, Spandauer, Nieder Neuendorfer See, Tegelsee, Heiligensee), Groß Glienicker See, Hubertussee, Königssee, Dianasee, Hundekehlsee, Grunewaldsee, Krumme Lanke, Schlachtensee, sowie die Flüsse Havel, Spree und Spandau und viele Kanäle (Teltow, Landwehrkanal, diverse Schifffahrts- und Verbindungskanäle).
Wahrscheinlich war ich der Einzige, der diesen Hinweis ernst nahm, aber es bereitete mir viel Freude, täglich während des Laufs mal kurz anzuhalten und baden zu gehen (vier mal, am letzten Tag durch Berlin klappte es dann leider nicht, es war mir wohl einfach zu heiß).

Laufen

Gelaufen bin ich dann doch auch noch. Allerdings eher vorsichtig und langsam. Mehr wäre sowieso nicht möglich gewesen. Hohe Temperaturen, keine Ambitionen als zu finishen, fehlendes Training der letzten Wochen (allerdings bei hervorragender Ausgangsform) und natürlich auch der Gipsarm hätten nicht mehr zugelassen. Ich war über jeden Tag stolz, den ich geschafft hatte, fand am zweiten Tag in Franz und danach in Tanya und Thomas Begleiter, die ebenfalls vor allem eine gute Zeit haben wollten, vom Tempo her ähnlich lagen und sehr angenehme Gesprächspartner waren.

Gegenüber der letzten Ausgabe fanden die Etappen zwar in gleicher Reihenfolge, aber in umgekehrter Richtung, statt. Bei der Überführungsetappe von Potsdam nach Spandau funktionierte das nicht, die war identisch zum letzten Jahr, auch wenn Franz und ich uns 1-2 km später verliefen als 2024. Wegen eines Frhjahrssturms war der Spandauer Forst leider gesperrt, so musste kurzfristig eine Alternative für die fünfte und letzte Etappe gefunden werden. Dafür wurde die Berliner Stadtetappe leicht eingekürzt und wiederholt. Da es nun gerade der heißeste Tag war, wurde das zur finalen Herausforderung, denn gerade in der Stadt ist die Hitze doch noch einmal deutlich unangenehmer. Die Veranstalter haben mit frühem Start, reichlich Getränken und am Ende mit einem Zusatz-VP mit Eisversorgung versucht, das Leiden zu lindern.

Genießen

Wie im letzten Jahr, gab es eine große Anzahl an gut bis sehr gut ausgestatteten Verpflegungspunkten, in etwas alle 10-12 km. Die Freundlichkeit der Helfer war riesig, man freute sich schon im voraus auf seine Lieblinge, denn die meisten Helfer hatten regelmäßig die gleiche VP-Reihenfolge. Im Ziel gab es ebenfalls erst einmal ein kühles Getränk. Weitere sollten in einer Kasse des Vertrauens bezahlt werden, aus der dann ein Bonus für die Helfer bezahlt wurde. Ebenso wurde es beim Abendessen gehandhabt, was am ersten Tag als Tisch-Buffet und danach mit Vorspeise sowie jeweils einer Auswahl zwischen 2-3 Gerichten gestaltet wurde, um möglichst effizient zu sein. Es war wieder sehr gut. Zusammen mit der Hotelübernachtung und dem Frühstück kann man die Heidi-Serie wohl als Deluxe-Variante eines Etappenlaufs bezeichnen, was gewissermaßen ein Markenzeichen darstellt von Thomas Steinicke und seinem Team von „Heidi on Tour“. Das schlägt sich natürlich auch in den Preisen nieder, die im Vergleich zu anderen Anbietern eindeutig höher liegen. Persönlich zahle ich das Geld sehr gern für einen Qualitätsurlaub mit Sonderprogramm und leiste mir dabei auch den zusätzlichen Luxus eines Einzelzimmers. Im Vergleich zu manch anderen „Hobby-Reisen für Freaks“ sind das ohnehin alles Schnäppchen.

Brocken-Challenge 2025

Bei meiner Premiere vor einem Jahr erlebte ich eine schöne, aber doch recht frühlingshafte Brocken-Challenge. Angesichts einer Distanz von 80 km und knapp zwei Höhenkilometern war es zweifellos ein fordernder Lauf, doch mit der Idee der besonderen Herausforderung, diesen bei winterlichen Bedingungen zu absolvieren, hatte das nur wenig zu tun. Da gab es reichlich Berichte von vorangegangenen Ausgabe der BC, bei denen Kälte, Wind und Schnee von den Teilnehmern sehr viel mehr forderten. So lautete mein Fazit denn auch, dass ich gern noch einmal wiederkommen und mich an einer Edition testen würde, die nicht primär für Warmduscher gemacht war.

Die erste Bedingung sollte sich mit viel Glück erfüllen: Erneut fiel ein Freilos auf mich in Form eines Startplatzes. Pünktlich zum 1.Dezember kam die SMS „Du bist dabei!“. Nach dem Kobolt Ende November 2024 hatte ich leichte Hüftprobleme und machte einige Wochen Winterpause, bevor ab Mitte Dezember ganz sanft und nach Weihnachten deutlich ernsthafter der Einstieg ins neue Trainingsjahr begann. Das lag zum einen am Saisonhöhepunkt zu Pfingsten, bis zu dem ich meine Form aufgebaut haben wollte, zum anderen natürlich auch an der BC. Immerhin rund 500 km kamen zwischen Weihnachten und dem Start Mitte Februar zusammen, wobei nur eine Handvoll Läufe über 20 km hinaus gingen. Die Form war bedingt durch den frühen Saisonzeitpunkt nicht überragend, aber doch so gut, dass ich recht zuversichtlich starten konnte, keine Konditionsprobleme zu bekommen.

Die Wetterprognosen waren wunderbar: Winterwetter, leichte Minusgrade, Schnee gleich zu Beginn bei Göttingen und auch auf dem größten Teil der Strecke. Am Start drängten viele ans Feuer, um sich noch etwas aufzuwärmen, manche saßen aber auch in Wohnmobilen und warteten dort auf den Start. Der Gedanke, bei äußeren Minusgraden im Wohnwobil zu übernachten, ist für mich eher furchteinflössend. Wie immer waren die Stirnlampen nur für den ersten Waldabschnitt erforderlich und konnten bereits nach etwa 6-8 km ausgeschaltet werden. Es war kalt, aber nicht so sehr, dass das Atmen beim Laufen unangenehm war. Der Untergrund war teils etwas schneebedeckt, auf den Straßen gab es oft ein Wechselspiel von vereisten und freien Bereichen. Wir mussten etwas vorsichtig sein, um nicht auszurutschen, aber es war auch keine große technische Herausforderung. Die erste Hälfte der Brockenchallenge verläuft ja eher wellig durch den Vorharz, von Profil und Streckenlänge vielleicht am ehesten vergleichbar mit dem Rennsteig-Marathon.

Danach, also ab dem VP in Barbis, lag eine durchgehende Schneedecke und ich zog deshalb meine Spikes auf die Schuhe. Es geht zunächst steil nach oben zur Wasserscheide und dann in einem leichten, aber mehrere Kilometer langen Anstieg durch ein Tal hinauf zum nächsten VP, der mit dem Auto nicht erreicht und daher nur dank Pferde(schlitte)n betrieben werden kann. Wie bereits im letzten Jahr konnte ich diesen als „Entsafter I“ bezeichneten Abschnitt weitgehend laufend bewältigen, was sich positiv auf Laufzeit und Stimmung auswirkte. Im nachfolgenden „Entsafter II“ hätte ich mich beinahe verlaufen, fand den Weg aber dann doch korrekt und konnte auch eine zunehmende Schneedecke genießen, die bald mehr als knöchelhoch war. Das stimmt mich sehr zufrieden, denn diese winterlichen Bedingungen hatte ich mir ja gewünscht. Sie waren aber nicht extrem, eher moderat. Umwege aufgrund rutschiger Hänge waren nicht erforderlich, gespurte Bereiche, bei denen man auf gar keinen Fall auf die Loipen treten darf, gab es erst im Oberharz. Erneut waren die Angebote an den VPs ungewöhnlich lecker, insbesondere die veganen Kekse und Kuchen am letzten VP sind mir in Erinnerung geblieben. Erneut hatte ich das Glück, einer dampflokbetriebenen Brockenbahn zu begegnen – mit viel Schnee sieht das nochmal besser aus! Auch die kahlen Berghänge werden durch Schneebedeckung etwas erträglicher. Die allerletzte Kilometer auf der steilen Straße waren hart, insbesondere wegen des starken Windes, doch bald waren die Willkommensglocken auf dem Gipfel zu hören und dann, bei wenigen Metern Abstand, auch die freundlichen Helfer, die alle Läufer begrüßten. Die Stimmung im Goethesaal war großartig, die Wartezeit auf eine Dusche sehr erträglich, das heiße Wasser tat sehr gut und das Buffet war grandios. Dazu etwas Gesellschaft durch diverse alte und neue Bekannte und es ging mir wunderbar. Vor dem Abstieg zum Busparkplatz musste ich mir sehr viel anziehen, aber ich fror nur auf den ersten paar hundert Metern, dann war es erträglich. In der Hütte war gute Stimmung, trotz etwas unklarer Wartezeit auf die Busse, die nicht ganz so weit herangefahren waren wie im letzten Jahr.

Ein schöner Einstieg ins Laufjahr 2025!